Rentabilitätsfehler

Story

Der Inhaber eines Onlinehandels war sich sicher, das Jahr nach dem Weihnachtsgeschäft mit einer schwarzen Null abschließen zu können. Die Dezember-Auswertung des Steuerberaters zeigte tatsächlich ein tolles Weihnachtsgeschäft und eine schwarze Null für das Gesamtjahr. Trotzdem wies der in den Folgemonaten erstellte Jahresabschluss letztlich ein dickes Minus aus. Was war passiert? Der Steuerberater hatte – wie leider sehr verbreitet – einige Positionen erst im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses gebucht:

  • alle Abschreibungen für das ganze abgelaufene Jahr (weil erst nach dem Jahr der genaue Betrag errechnet werden kann)
  • einige Jahresgebühren wie Versicherungen, die am Ende des Jahres anfallen
  • ausstehende Rechnungen von Lieferanten, die zwar mit deren Billigung verschoben und nicht gebucht worden waren, aber zum Jahresende bezahlt werden sollten.

Aus Unwissenheit und wegen „schlechter Betreuung“ vonseiten des Steuerberaters hat der Unternehmer also sowohl seine Investoren als auch seine Bank ein ganzes Jahr falsch informiert und dafür gehörig Ärger kassiert – obwohl das Weihnachtsgeschäft über Plan verlaufen war.

Bemerkung und Handlungsempfehlung

In den meisten Unternehmen wird monatlich eine BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) vom Buchhalter oder Steuerberater angefertigt. Die BWA gibt dem Unternehmer eine Vielzahl von Informationen zur Erlös-, Kosten- und Ergebnissituation. Auch wenn sie zeitlich verzögert eintrifft (idealerweise zeitnah im Folgemonat), liefert ein regelmäßiger Blick in die BWA eine solide Basis für eine Analyse der Geschäftsentwicklung – vorausgesetzt der Steuerberater oder Buchhalter verbucht Erlöse und Kosten mit Einfluss auf das Ergebnis zeitnah und unterjährig. Darauf solltest du als Unternehmer unbedingt drängen! Denn nur so liefert die BWA aussagekräftige Informationen. Nachfolgende Checkliste zeigt dir, welche Dinge du mit deinem Buchhalter bzw. Steuerberater besprechen solltest:

Laufende Berücksichtigung von erledigt nicht erforderlich noch zu veranlassen
Abschreibungen, laufende Anlagenbuchhaltung und Überprüfung der kalkulatorischen Abschreibungen, Anlagenabgang und Zugang.
Bestandsveränderungen
(besonders wichtig für alle Händler und produzierende Unternehmen mit Lagerhaltung)
teil- oder unfertige Arbeiten
(besonders wichtig für alle Unternehmen, die größere und länger laufende Arbeiten ausführen)
Anteilige Zinsen
Eigenverbrauch / Privatnutzung KfZ
Forderungsausfälle und ent. Mehrwertsteuerkorrektur
laufende Erfassung neuer Verträge
laufende Erfassung anteiliger Rückstellungen
Anteiliger Ausweis kalkulatorischer Beträge für Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, ergebnisabhängige Vergütung
Abgrenzung und Verteilung weiterer Zahlungen (jährlich, quartalsweise etc.) wie z.B. für Versicherungen, Serviceverträge, Lizenzgebühren etc.
Allgemeine Qualität der Buchführung
laufende Qualitätskontrolle und Kommunikation mit Dienstleister
korrekte Kontenzuordnung abstimmen