Fehler beim Kapitalbedarf

Story

Ein junges Softwareunternehmen für Webentwicklung hatte sich den Businessplan von einem Gründungsberater schreiben lassen. Dieser riet dazu, eine großzügig kalkulierte Kreditsumme mit Sicherheitspolster aufzunehmen, um unerwartete Ausgaben auffangen zu können. Zu diesem Zweck wurden hohe Investitionskosten für Hardware in den Kapitalbedarf aufgenommen (u.a. eigene Server, Lizenzen und mehrere Arbeitsplätze). Die Bank akzeptierte den Businessplan mit diesen Zahlen und ein öffentlich geförderter Investitionskredit wurde bereitgestellt. Bei der Realisierung der Gründung setzten die Gründer sinnvollerweise zunächst auf die Sparversion und nutzten vorhandene private Hardware. In der Anfangsphase ließen erwartete Projekte und damit Einnahmen länger als geplant auf sich warten. Die Gründer wollten das vom Berater eingeplante Polster nutzen, um die hauptsächlich durch Lohnzahlungen entstandenen Anfangsverluste abzudecken. Sie mussten dann feststellen, dass die Bank diese Mittel eben nur für die eingeplanten Investitionen und nur mit entsprechenden Verwendungsnachweisen zur Verfügung stellt. Eine Umwidmung in einen Kredit für laufende Ausgaben (sog. Betriebsmittelkredit) wurde sehr kritisch gesehen und hätte zwingend neuer Anträge und Pläne bedurft. Die Gründer überlebten diese schwierige Phase nur, weil sie in der Lage waren, ihre eigenen Gehälter als Geschäftsführer nahezu auf null zu setzen. Der Investitionskredit wurde nahezu unverbraucht zurückgegeben. Auf den Bereitstellungskosten für den zu viel beantragten Investitionskredit blieben die Gründer sitzen.

Bemerkung und Handlungsempfehlung

Bei der Beantragung von Krediten sind Betriebsmittel und Investitionen streng zu unterscheiden. Häufig sind Investitionskredite günstiger als Betriebsmittelkredite – auch weil die Bank im Fall einer Unternehmensaufgabe hier auf verwertbare Sicherheiten hofft und eine stärkere Kontrolle über die Verwendung hat. In SmartBusinessPlan unterscheiden wir dreierlei Arten von Kapitalbedarf: 1. die Investitionskosten, 2. die Gründungskosten und 3. den Kapitalbedarf, der sich durch die notwendige Finanzierung von Anfangsverlusten ergibt. Ersterer sollte durch einen Investitionskredit und letztere durch einen Betriebsmittelkredit finanziert werden. Wenn du Polster einplanen willst, bewerte die Risiken getrennt: Sind aufwendige Umbauten vonnöten? Dann plane die Investitionen und den entsprechenden Investitionskredit großzügig, um das Baurisiko abzudecken. Sind (wie bei fast allen Gründungen) die Umsätze zu Beginn in Höhe und Zeitpunkt unsicher? Dann sollte einerseits der Betriebsmittelkredit großzügig geplant werden, und für die Abdeckung von Liquiditätsspitzen auch ein kurzfristig nutzbarer Kontokorrentkredit eingerichtet werden. Wie immer bei der Businessplanung gilt “Plan for the worst, hope for the best!“ (auf deutsch in etwa: „Plane für den schlechtesten Fall, und hoffe auf den besten!”).

Um der geschilderten Problematik zu begegnen, werden zunehmend öffentliche Förderkredite angeboten, mit denen Betriebsmittel und Investitionen finanziert werden können. Das KfW-Programm StartGeld ist zum Beispiel so ausgelegt. Sprich deinen Bankberater konkret auf das Thema „Mittelverwendungsnachweise und passende Finanzierung“ an und lass dich dazu beraten. Oft lassen sich nicht genutzte Kreditanteile gegen eine verhältnismäßig geringe Entschädigung zurückgeben.

Mach dich mithilfe von SmartBusinessPlan fit. Nutze unseren Kreditrechner, um dann offensiv Banken und Fördermittelgeber zu befragen. Du musst nicht alles perfekt drauf haben. Du musst nur wissen, was für Themen sich dahinter verbergen und kritische Fragen stellen.