6 Dinge, die du beim Café eröffnen beachten solltest

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Der Traum vieler, aber Realität für wenige: das eigene Café eröffnen. Damit dieser Traum Realität werden kann, musst du allerdings einige Hürden nehmen. Um dir einen Anschub beim Starten deiner Planung zu geben, haben wir dir eine Liste zusammengestellt. Das hier solltest du auf dem Schirm haben, wenn du mit deiner Cafégründung durchstarten willst:

1. Standort und Kunden

Das A und O jeder gastronomischen Gründung ist der Standort. Du kannst den besten Kaffee der Welt anbieten, aber wenn du dein Café zu weit von deiner Zielgruppe eröffnest wirst du trotzdem auf keinen grünen Zweig kommen.

Generell ist also die Nähe zu deinen Kunden der wichtigste Faktor für dein Café. Überlege dir außerdem gut, an wen sich dein Angebot richtet. Ein klassisches Kaffee- und Kuchenangebot mit Kännchen eignet sich zum Beispiel eher für Gegenden mit viel Tourismus oder einer etwas älteren Klientel. Die jüngere Kundschaft findet sich eher bei Chai Latte und Strawberry Cheesecake wieder.

Willst du in der Nähe einer Universität eröffnen, solltest du neben günstigen Preisen auch ein etwas ausgefalleneres Angebot vorweisen können. Der gemeine Student wird nicht zu deinem Dauergast, wenn auf deiner Speisekarte „Pott Kaffee / Stück Kuchen / Bockwurst mit Scheibe Toastbrot“ steht. Tipp: Schau dich in der angestrebten Umgebung um, was bietet die Konkurrenz? Schau dir Bewertungen von Cafés und Gaststätten auf Yelp oder Trip Advisor an. Hier kannst du erahnen, mit welcher Erwartungshaltung Kunden ein Café an einem bestimmten Ort besuchten und ob diese erfüllt wurde. Gerade aus negativer Kritik kannst eventuell ableiten, wie du dein Angebot gestaltest.

2. Planung

Wirtschaftliche Faktoren wie Miete und laufende Kosten dürfen bei deinen Betrachtungen allerdings auch nicht zu kurz kommen. Stell am besten erst deine Finanzplanung auf, damit du weißt, wie viel du dir leisten kannst. Ein Café zu eröffnen hat zwar ein freiheitliches Flair, aber auch hier kommst du nicht um eine sorgfältige Planung herum. Da meist hohe Gründungskosten anfallen, wirst du auf Fremdkapital angewiesen sein. In der Regel musst du für dessen Einwerben einen Businessplan schreiben. Dein Businessplan hilft dir allerdings nicht nur mögliche Investoren zu überzeugen, sondern dient auch dem Abrunden deiner Geschäftsidee. Mit Hilfe eines ordentlichen Finanzplans kannst du zum Beispiel prüfen, ob dein Umsatz reichen wird, um laufende Kosten wie Personal und Wareneinkauf zu decken.

Während du noch an den Grundlagen deines Geschäftsmodells arbeitest kannst du auch schlankere Planungsarten wie eine Business Model Canvas nutzen. Sie hilft dir die wichtigsten Bestandteile deiner Geschäftsidee zu definieren und den Überblick zu behalten. Später kannst du auf dieser Grundlage deinen Businessplan ausformulieren.

 

3. Finanzierung

Ob Bankkredit oder privater Investor, du wirst finanzielle Hilfe bei der Gründung brauchen. Umbauten im Gastbereich, Anschaffung von Mobiliar und der Aufbau eines Warenerstbestandes benötigen viel Geld. Banken sind eher zurückhaltend, was Kredite in der Gastronomie angeht, da das Risiko eines Zahlungsausfalls relativ hoch ist. Um sie trotzdem zu überzeugen, solltest du mit einem überdurchschnittlichen Businessplan und professionellem Auftreten Eindruck machen. Mit diesem Businessplan kannst du dann auch speziellere Angebote wie den Existenzgründungskredit für Gastronomie der KfW beantragen.

Neben Investment stehen dir in Deutschland auch Fördermöglichkeiten zur Verfügung. So kannst du, falls du aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit gehst, einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragen, der dir dabei hilft deine laufenden Kosten zu decken.

 

4. Genehmigungen

In Deutschland bedarf es einer Genehmigung für jedes Geschäft. Die Eröffnung eines Cafés ist hierbei keine Ausnahme, ganz im Gegenteil.

Neben einer Gewerbeanmeldung musst du je nach Angebot deines Cafés noch zusätzliche

Genehmigungen beantragen. Willst zum Beispiel Alkohol anbieten, brauchst du eine Konzession.

Bei deiner Anmeldung prüft das zuständige Amt, ob die Immobilie für diesen Geschäftszweck geeignet ist. Dafür musst du neben dem Grundriss deines Cafés noch diverse andere Unterlagen mitbringen. Informiere dich bei deinem zuständigen Ordnungsamt, welche Unterlagen benötigt werden.

Um unnötige Komplikationen zu vermeiden solltest du dich bei der Gründung beraten lassen. Entweder du engagierst einen spezialisierten Unternehmensberater oder du nimmst selbst an einem Informationskurs teil. Die Handelskammer deines Vertrauens kann dir helfen solche Kurse zu finden.

 

5. Einrichtung

Du hast die richtige Location für dein Café gefunden und dich durch das Dickicht an Vorschriften gekämpft. Jetzt kannst du endlich kreativ werden. Die Inneneinrichtung deines Gastraums bestimmt darüber, ob sich der Kunde zum Bleiben oder gehen entscheidet. Er sollte so eingerichtet sein, dass er das Grundkonzept des Cafés klar widerspiegelt.

Dafür ein Beispiel: Du willst Touristen als Besucher gewinnen. Diese Touristen kommen in deine Stadt, um das zu erleben, was die Stadt besonders macht. Dein Café sollte diesen Stil widerspiegeln. So kannst du zum Beispiel für deine Location am Hafen einen dezenten, geschmackvollen maritimen Stil wählen. Aber Achtung: Es sollte auf keinen Fall forciert oder kitschig wirken.

Inventar ist leider nicht billig und gehört zu den großen Investitionen, die bei der Existenzgründung anfallen. Neben dem Gastraum musst du auch, falls vorhanden, deine Küche und alle anderen Räume einrichten. Um die finanzielle Belastung hier etwas zu verringern, solltest du Gebrauchsgeräte gebraucht kaufen. Kaum ein Bereich hat so viel Fluktuation wie die Gastronomie. Es gibt Händler die sich darauf spezialisiert haben, genau die Einrichtungsgegenstände, die du suchst, aus Insolvenzmasse weiterzuverkaufen. Sie kosten dann einen Bruchteil des Neuwertes. Du musst lediglich darauf achten, dass der Anbieter seriös und die Ware benutzbar ist.

 

6. Marketing und Alleinstellungsmerkmal

Laufkundschaft ist toll. Aber wenn du dein Café nicht an einer stark bevölkerten Straße eröffnen kannst, wirst du andere Wege finden müssen, Gäste an die Tische zu bringen. Klassisches Marketing hat in dieser Branche durchaus seine Daseinsberechtigung. Versuche dich in Stadtführern und Szenemagazinen zu platzieren. In der Anfangsphase kannst du auch direkte Methoden wie Flyer oder Aufsteller nutzen, um dein Café bekannt zu machen.

Neben den altbewährten Methoden solltest du allerdings auch die modernen Möglichkeiten nutzen. Je nach Zielgruppe ist Social Media eine großartige und kostengünstige Methode, um einen Kundenstamm aufzubauen. Falls du einen erfolgreichen Gastro-Blogger deiner Stadt dazu bringen kannst, einen Artikel über dich zu veröffentlichen, könnten dir schon bald neue Gäste ins Haus stehen.

Die weitreichendste Marketingkampagne ist aber wenig nachhaltig, wenn du dem Gast nichts Besonderes zu bieten hast. Finde etwas, was dich aus der Masse aus tausenden Cafés hervorhebt. Besonderes Design, ein spezieller Kaffee oder ein außergewöhnliches Dessert überzeugen deine Kunden und lassen sie Zufriedenheit über das Trinkgeld ausdrücken.

 

Dr. Jan Evers, Gründungsexperte und Mitbegründer von SmartBusinessPlan:

  1. Schau dir die Kalkulationen in den Plänen von Cafés und Gastronomie in SmartBusinessPlan an: wenn du die Konzepte von Café Glücklich, die Herren Simpel und des Gasthofes vergleichst, bekommst du ein gutes Gefühl für Kostenstruktur. Café Glücklich und die Herren Simpel haben beide sehr interessante und bis heute erfolgreiche Marktetingkonzepte entwickelt. Davon kann man viel lernen.
  2. Es gibt Tools zur Standortanalyse – hier wird sehr quantitativ aber damit auch recht objektiv gesagt wo Laufkundschaft zu erwarten ist.
  3. Vorsicht vor Standorten, wo Cafés dicht gemacht haben. Das Negativimage ist schwer weg zu bekommen. Du müsstest schon ganz genau wissen woran es gescheitert ist, wie viel Geld du durch vorhandenen Einrichtungen sparst und wie du das „Under new Management“ deutlich machst.
  4. Es gibt in den meisten Städte Gastronomiespezialisten, vermittelt über die DEHOGA. Die haben meist schon viele Pleiten gesehen und sind recht kritisch: gönn dir den kritischen Blick. Leider haben sie meist Recht – auch wenn in der ersten Liebe zu Idee und Objekt es schwer fällt das zu akzeptieren.
Über den Autor
Julius Pankoke

Julius Pankoke ist bei uns für internationales Marketing zuständig. Er schreibt in unserem Gründerblog über Business Development, Existenzgründung und Marketing.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

bhp