Du zapfst ein frisches Bier, begrüßt nette Stammgäste am Tresen und am Nachbartisch wird schon über die Aufstellung fürs nächste Spiel diskutiert. Eine eigene Kneipe kann ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen und sich zu Hause fühlen. Damit du davon leben kannst, müssen allerdings auch Einkauf, Schichtplan und Monatsabschluss funktionieren.
Hier erfährst du, welche Voraussetzungen für Kneipenbetreiber*innen gelten, welche Genehmigungen oder Lizenzen du brauchst und was du finanziell einplanen solltest. Dazu kommen ein Rechenbeispiel und neun Schritte bis zur Eröffnung. Unsere Checkliste hilft dir, den Papierkram systematisch zu erledigen.
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Eine Kneipe ist eine meist einfach gehaltene Schankwirtschaft, in der der Verzehr von Getränken im Mittelpunkt steht, häufig Bier vom Fass. Typisch sind ein zentraler Tresen und eine ungezwungene Atmosphäre. Ein Speisenangebot kann dazugehören, muss aber nicht umfangreich sein. Viele Kneipen leben vor allem von ihren Stammgästen und sind wichtige Treffpunkte in der Nachbarschaft.
Das Profil deiner Kneipe bestimmst du selbst: gemütliche Eckkneipe, Sportkneipe mit großen Bildschirmen, Musikkneipe oder Treffpunkt für Fans regionaler Biere. Darts, Kicker und Quizabende können Anlässe schaffen, regelmäßig wiederzukommen. Entscheidend ist, dass Angebot und Zielgruppe zusammenpassen.
Nicht ganz: Mit einer Kneipe verbinden viele Menschen Bier, Stammtisch und überschaubare Preise; bei einer Bar denken sie eher an Cocktails und ein inszeniertes Ambiente. Die Übergänge sind fließend. Rechtlich ist der Name am Eingang nicht entscheidend: Wer Getränke zum Verzehr vor Ort anbietet, betreibt nach dem Bundesgaststättengesetz eine Schankwirtschaft (§ 1 GastG).
Ja, eine Kneipe kann sich lohnen, wenn ausreichend Gäste kommen und und die Marge stimmt. Ein voller Samstagabend allein reicht dafür in der Regel nicht: Auch an Wochentagen und im Sommerloch solltest du ausreichend Einnahmen verzeichnen, um die Kosten zu tragen und vom Gewinn leben zu können.
| Chance | Was du dafür einplanen solltest |
|---|---|
| Wiederkehrende Stammgäste | Gleichbleibende Qualität und verlässliche Öffnungszeiten |
| Musik oder Sportübertragungen als Besuchsanlass | Zusätzliche Kosten für Übertragungsrechte, GEMA-Gebühren und Gagen |
| Treffpunkt im Viertel | Guter Kontakt zur Nachbarschaft und ein tragfähiger Umgang mit Lärm |
| Persönliche Gastgeberrolle | Zeit für Büro, Einkauf, Erholung und Vertretung |
Wenn du zu viele Tresenschichten selbst übernimmst und dir selten Auszeiten gönnst, wird die Gastgeberrolle schnell zum Knochenjob. Kalkuliere so, dass du von den Margen nicht nur die Miete, die Energie- und die Wareneinkaufskosten, sondern auch faire Gehälter für dein Team und ausreichend Mittel für deinen Lebensunterhalt finanzieren kannst.
Prüfe deine Idee deshalb mit einem soliden Businessplan und rechne in deiner Rentabilitätsplanung auch ein eher schwaches Szenario durch: Was passiert, wenn 20 Prozent weniger Gäste kommen als erwartet? So erkennst du, ob deine Kneipe auch außerhalb der Wunschvorstellung bestehen kann.
Für eine gut laufende Kneipe brauchst du vor allem ein passendes Konzept, geeignete Räume und genug Startkapital. Anders als im Handwerk gibt es keinen Meisterzwang und keine vorgeschriebene Ausbildung. Dafür gibt es einige bürokratische Hürden, die du früh angehen solltest, denn Behörden brauchen oft mehrere Wochen bis Monate.
Grundsätzlich ja. Für den Betrieb einer Kneipe brauchst du keine gastronomische Ausbildung. Du musst aber einige persönliche und fachliche Voraussetzungen erfüllen:
Auch ohne deutsche Staatsangehörigkeit kannst du eine Kneipe eröffnen. Falls du einen Aufenthaltstitel benötigst, muss dieser die selbstständige Tätigkeit erlauben.
Wenn du keine Gastronomie-Erfahrung mitbringst, ist ein Praktikum in einer Kneipe von Vorteil. Oder du holst dir eine Person ins Team, die die praktische Erfahrung mitbringt. Außerdem ist es solltest du belastbar sein, über kaufmännisches Grundwissen verfügen und Führungsstärke mitbringen – oder zumindest die Bereitschaft haben, dir letzteres anzueignen.
In der Gastronomie gelten strenge Vorschriften, um die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitenden zu gewährleisten. Dabei hängt es von deinem Angebot und Konzept ab, welche Regelungen konkret greifen. Du bist auf der sicheren Seite, wenn du rechtzeitig vor der Eröffnung deiner Kneipe Rücksprache mit den zuständigen Stellen hältst. So kannst du Probleme beheben, bevor sie im schlimmsten Fall zur Schließung deiner Kneipe führen.
Um die folgenden Punkte solltest du dich kümmern:
Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind, kannst du deine Kneipe offiziell anmelden. Für die Gewerbeanmeldung ist das örtliche Gewerbeamt zuständig. Vom Finanzamt bekommst du einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Sobald du ihn eingereicht hast und deine Angaben auf Vollständigkeit geprüft wurden, bekommst du deine Steuernummer.
Tipp: Nutze unsere Checkliste oder lege dir selbst eine an, am besten mit Terminen und Ansprechpersonen, damit du nichts vergisst und alles zügig abhaken kannst. Manche Formulare bauen aufeinander auf. So kann es sein, dass du eine Genehmigung für eine Nutzungsänderung vorlegen musst, um die Gaststättenerlaubnis zu bekommen.
Regelungen und Gebühren unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune, prüfe deshalb alle Angaben vor Ort bei den zuständigen Ämtern.
„Schanklizenz“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Gaststättenerlaubnis. Ob du sie brauchst, hängt vom Bundesland und deinem Angebot ab.
Wo das Bundesgaststättengesetz gilt, ist für den Alkoholausschank grundsätzlich eine Erlaubnis erforderlich. Einige Bundesländer haben Regelungen mit einem Anzeigeverfahren. In Baden-Württemberg zum Beispiel musst du einen dauerhaften Gaststättenbetrieb seit dem 1. Januar 2026 grundsätzlich mindestens sechs Wochen vor dem Start anzeigen – unabhängig davon, ob du Alkohol ausschenkst.
Kläre also zuerst mit deiner Gemeinde, welches Verfahren für deine Kneipe gilt.
Wenn dein Betrieb erlaubnispflichtig ist, gehst du in der Regel so vor:
Wichtig: Die Erlaubnis gilt für eine bestimmte Person und bestimmte Räume. Wechselst du den Standort oder übernimmst du eine bestehende Kneipe, musst du sie neu beantragen. Beantrage sie am besten erst, wenn du die Räume sicher hast, aber kümmere dich früh genug darum, damit du nach Mietbeginn möglichst schnell deine ersten Gäste bewirten kannst.
Folgende Übersicht zeigt dir, wo du die erforderlichen Unterlagen bekommst und worauf du bei der Beantragung achten solltest:
| Unterlage | Woher? | Tipp |
|---|---|---|
| Führungszeugnis und Auszug aus dem Gewerbezentralregister | Meldebehörde oder Bundesamt für Justiz | Auf die richtige Belegart zur Behördenvorlage achten |
| Steuerliche Bescheinigungen | Zuständiges Finanzamt, gegebenenfalls weitere Stellen | Nachfragen, welche Nachweise verlangt werden |
| Unterrichtungsnachweis oder anerkannter Abschluss | IHK | Termin und mögliche Befreiung früh klären |
| Miet- oder Pachtvertrag und Grundriss | Vermieter*innen beziehungs-weise Planer*innen | Tatsächlich genutzte Räume vollständig erfassen |
| Gesellschafts- und Registerunterlagen | Je nach Rechtsform | Ein Handelsregisterauszug ist nicht für jede Gründung nötig |
Rechne grob mit 40.000 bis 150.000 EUR Startkapital. Entscheidend sind neben der Größe deiner Kneipe auch der Zustand der Räume und ob du neu gründest oder eine bestehende Kneipe übernimmst.
Die folgenden Werte sind lediglich grobe Richtwerte zur Orientierung. Es ist wichtig, dass du deine tatsächlichen Kosten anhand von Angeboten und einem vollständigen Kapitalbedarfsplan ermittelst.
| Posten | Richtwert |
|---|---|
| Umbau & Renovierung | 5.000–40.000 € |
| Tresen, Schankanlage, Kühlung, Gläserspüler | 10.000–40.000 € |
| Mobiliar, Licht, Deko, Musik/TV | 10.000–40.000 € |
| Gläser & Kleininventar | 1.500–5.000 € |
| Kassensystem mit TSE | 1.000–3.000 € (plus monatliche Softwaregebühren) |
| Genehmigungen, Unterrichtung, Gebühren | ca. 300–3.000 € |
| Mietkaution | meist 3 Monatsmieten, bei Gewerbe auch 6 oder mehr möglich |
| Erstausstattung Getränke | 3.000–10.000 € |
| Eröffnungsmarketing | 1.000–5.000 € |
| Liquiditätsreserve (mind. 3–6 Monate Fixkos-ten) | individuell |
Gut zu wissen: Bei Gewerbemietverträgen gibt es keine gesetzliche Obergrenze für die Kaution. Verhandle die Höhe und prüfe, ob eine Mietkautionsbürgschaft möglich ist. Sie schont dein Startkapital.
Diese Posten solltest du in deinen Finanzplan aufnehmen:
Steuer-Hinweis 2026: Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Gastronomie ein Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für Speisen und von 19 Prozent für Getränke. Für eine Kneipe mit Getränkeschwerpunkt heißt das: Der Großteil deines Umsatzes läuft mit 19 Prozent. Das musst du in deiner Preiskalkulation berücksichtigen. Speisen und Getränke müssen in der Kasse sauber getrennt verbucht werden, auch bei Kombiangeboten. Mehr dazu unter Änderungen 2026 und Preisgestaltung.
Es gibt keinen bundeseinheitlichen Preis für die sogenannte Schanklizenz. In Berlin kostet eine unbefristete Erlaubnis beispielsweise zwischen 100 und 1.500 EUR, abhängig vom Verwaltungsaufwand. Hinzu kommen gegebenenfalls Gebühren für Unterlagen und die IHK-Unterrichtung. Erkundige dich bei deiner zuständigen Behörde nach den Kosten für deinen Betrieb.
Handlungsempfehlung: Frag direkt beim Ordnungsamt oder der zuständigen Behörde nach, wie hoch die Gebühren sind, und setze sie im Finanzplan unter Gründungskosten an.
Du kannst entweder eine etablierte Schankwirtschaft übernehmen oder in einer geeigneten Gewerbeimmobilie deine eigene Kneipe aufbauen. Beide Wege haben Vorteile und Risiken. Welcher besser zu dir passt, hängt vor allem von deinem Konzept, deinem Startkapital und deiner Risikobereitschaft ab.
| Übernahme | Neugründung | |
|---|---|---|
| Investitionen | Die Kneipe wird meist eingerichtet übergeben. Teure Anschaffungen wie Zapfanlage und Kühlung sind schon vorhanden (oft gegen Ablöse). | Du investierst in Umbau, Sanitäranlagen, Tresen, Kühlung, Küche, Möbel, Gläser und Geschirr. Die Startkosten können deutlich höher ausfallen. |
| Konzept | Wenig Spielraum. Änderungen können Stammgäste vertreiben, ein Festhalten am alten Konzept erschwert es, neue Gäste zu gewinnen. | Du setzt dein Konzept zu 100 % um, mit Einrichtung, Angebot und Zielgruppe nach deiner Vorstellung. |
| Bekanntheit | Das Lokal ist im Viertel bekannt, und die Nachbarschaft hat sich hoffentlich daran gewöhnt. | Du musst dich und dein Lokal erst bekannt machen und deine Gäste gewinnen. Mit ausreichend Kapital im Rücken hast du dafür die nötige Zeit. |
| Planungssicherheit | Auf Anfrage kannst du Bücher und Umsatzzahlen der Vorjah-re einsehen. Das sind belastbare Grundlagen für deinen Businessplan. Sie gelten aber nur für das bisherige Konzept. | Du arbeitest mit Annahmen. Es dauert mindestens ein Jahr, bis du die saisonalen Schwankungen wirklich kennst und sicher kalkulieren kannst. |
| Verträge | Alte Verträge können dich binden, etwa Brauereibindung, Pacht oder Mietvertrag. Prüfe vor Unterschrift, was übergeht. | Du wählst Lieferant*innen und Vertragspartner*innen frei und verhandelst deine Konditionen selbst. |
| Haftung | Bei einer Übernahme können gesetzliche Haftungsrisiken für bestehende Verpflichtungen entstehen, etwa für bestimmte betriebliche Steuerschulden. | Du startest ohne Altlasten. |
| Genehmigungen | Die Gaststättenerlaubnis gilt für Person und Räume, du musst sie neu beantragen. Dazu kommt oft ein Handelsregisterauszug. | Du durchläufst das gesamte Genehmigungsverfahren, gegebenenfalls inklusive Nutzungsänderung beim Bauamt. |
Entscheidungshilfe: Die Übernahme eignet sich, wenn du schnell starten willst, weniger investieren möchtest und mit dem bestehenden Konzept leben kannst. Die Neugründung passt, wenn du ein klares eigenes Konzept hast und genug Kapital, um die Anlaufphase zu überstehen.
Egal ob Übernahme oder Neugründung: Der Standort entscheidet mit über deinen Erfolg. Eine Musikkneipe, die bis spät in die Nacht geöffnet hat, passt schlecht in eine ruhebedürftige Wohngegend. Ein gemütlicher Treffpunkt für Stammgäste braucht dagegen kein Laufpublikum, sondern ein Umfeld, aus dem Gäste regelmäßig kommen.
So prüfst du den Standort:
Kläre die zulässige Nutzung und mögliche Lärmschutzauflagen, bevor du den Mietvertrag unterschreibst. Eine bestehende Kneipe ist kein Freibrief für spätere Livekonzerte oder zusätzliche Außenplätze.
Du kannst deine Kneipe über eine Kombination aus Eigenmitteln, Kredit und öffentlicher Förderung finanzieren. Allerdings solltest du dich darauf einstellen, dass Banken häufig skeptisch gegenüber Gastronomie-Gründungen sind, was die Kreditaufnahme erschwert. Mit einem ausgereiften Businessplan und einem guten Draht zu deiner Hausbank verbesserst du deine Chancen enorm. Welche Bausteine du kombinieren kannst, zeigt die folgende Übersicht.
In der Gastronomie erweisen sich Brauereien oft als aufgeschlossene Geldgeberinnen. Sie gewähren Darlehen oder Zuschüsse, verlangen dafür aber meist eine Abnahmeverpflichtung für ihre Produkte. Du verpflichtest dich also, die vereinbarten Getränke über längere Zeit bei dieser Brauerei zu beziehen. Das schränkt deine Freiheit bei Sortiment und Einkaufspreisen ein.
Diese Praxistipps helfen dir bei der Vertragsprüfung:
Reichen die Mittel von Bank und Brauerei nicht aus, kannst du weitere Wege prüfen. Beim Crowdfunding unterstützen dich Gäste und Fans schon vor der Eröffnung, und du bindest gleich dein späteres Stammpublikum. Eine weitere Möglichkeit ist ein Genossenschaftsmodell, bei dem Mitglieder Anteile zeichnen und die Kneipe gemeinsam betreiben. Beispiele für genossenschaftlich betriebene Kneipen gibt es etwa in Köln.
Ja, eine Gründung ohne Eigenkapital ist grundsätzlich möglich, beispielsweise mit einem passenden Förderkredit. Ob du eine Finanzierung erhältst, hängt aber von der Tragfähigkeit deines Vorhabens und der Kreditprüfung der Bank ab. Eine ausreichende Liquiditätsreserve musst du trotzdem einplanen. Brauereidarlehen, eine Übernahme mit Ratenzahlung, Investor*innen oder Crowdfunding können fehlende Eigenmittel ausgleichen, aber jede dieser Lösungen hat Folgen: Du bindest dich an eine Brauerei, teilst Entscheidungen mit Geldgeber*innen oder zahlst den Kaufpreis über Jahre ab.
Handlungsempfehlung: Berechne deinen Kapitalbedarf im Businessplan und plane die Liquiditätsreserve für die Anlaufmonate ein. Mit einem überzeugenden Businessplan gehst du dann souverän ins Bankgespräch.
Für eine Gründungsfinanzierung verlangen Banken in der Regel einen überzeugenden Businessplan. Du trägst darin alle Zahlen zusammen und sicherst deine Überlegungen zu Zielgruppe und Konzept mit harten Fakten ab. Banken, Brauereien und Förderstellen erwarten ihn ohnehin. Er hilft aber vor allem dir selbst, Entscheidungen zu treffen und nach dem Start gegenzusteuern.
Du beschreibst dein Konzept, deine Gäste, deinen Standort und deine Konkurrenz, planst Marketing, Team und Rechtsform und belegst alles mit einem Finanzplan aus Investitionen, Umsatz, Kosten und Liquidität. Entscheidend ist, dass deine Annahmen nachvollziehbar sind und nicht auf Wunschdenken basieren.
Folgende Bestandteile zeichnen einen guten Businessplan aus:
Tipp: Plane saisonale Effekte ein. Im Sommer sind womöglich viele Stammgäste verreist, Fußballturniere können bei einem passenden Übertragungskonzept zusätzlichen Umsatz bringen. Rechne am besten mit einem vorsichtigen, einem realistischen und einem optimistischen Szenario, damit du siehst, wie viel Spielraum du hast.
Eine Finanzplan-Vorlage hilft beim Einstieg in die Planung. Für eine unabhängige Rückmeldung kannst du deinen Plan anschließend im Businessplan-Expertencheck prüfen lassen.
Lass deinen Businessplan von Expert*innen prüfen und verbessern. Damit erhöhst du deine Chancen auf eine erfolgreiche Finanzierung.
Wie ein solcher Businessplan in der Praxis aussehen kann, zeigt das Beispiel der „Herren Simpel“. Zwei Gründer starteten damals im Hamburger Schanzenviertel eine Bar und gründeten sie als GbR. Ihren Businessplan hat unser Gründungsberater Dr. Jan Evers vor dem Start geprüft. Im Interview erzählt einer der Gründer, wie sie bei Planung und Gründung vorgegangen sind. Auch wenn es sich um eine Café-Bar handelt, taugt der Plan als Vorlage für Kneipen, denn Wettbewerbsanalyse und Investitionsplanung lassen sich direkt übertragen.
Das kannst du daraus lernen:
40 Gäste pro Abend, und jede Person lässt durchschnittlich 20 EUR da: Klingt nach einer guten Grundlage. Aber wie viel bleibt davon für dich übrig?
Für unser vereinfachtes Rechenbeispiel gehen wir von einer Kneipe mit reinem Getränkeangebot aus. Du öffnest an 26 Abenden im Monat und arbeitest selbst im Betrieb mit. Dann könnten deine Zahlen wie in der folgenden Tabelle aussehen (alle Zahlen sind frei gewählte Planungsannahmen – keine Branchendurchschnitte).
| Deine monatliche Rechnung | Geplanter Monat | 20 Prozent weniger Gäste |
|---|---|---|
| Gäste pro Abend | 40 | 32 |
| Durchschnittlicher Bon einschließlich Mehrwertsteuer | 20 € | 20 € |
| Einnahmen einschließlich Mehrwertsteuer | 20.800 € | 16.640 € |
| Nettoumsatz nach Herausrechnung der Mehrwertsteuer | 17.479 € | 13.983 € |
| Wareneinsatz: angenommen 30 Prozent vom Nettoumsatz | −5.244 € | −4.195 € |
| Übrige laufende Betriebsausgaben einschließlich Kredit-zinsen | −9.000 € | −9.000 € |
| Vereinfachter betrieblicher Überschuss | 3.235 € | 788 € |
| Kredittilgung | −500 € | −500 € |
| Verfügbar vor Ertragsteuern, privater Absicherung und Rücklagen | 2.735 € | 288 € |
Alle Beträge sind auf volle EUR gerundet. Für Getränke beim Verzehr vor Ort gelten 19 Prozent Umsatzsteuer (§ 12 UStG).
Die angenommenen 9.000 EUR an Betriebsausgaben decken beispielsweise Miete, Personal, Energie, Versicherungen, Reinigung, laufende Gebühren und Kreditzinsen ab. Dein eigener Lebensunterhalt ist darin noch nicht enthalten. Betriebsausgaben werden ohne abziehbare Vorsteuer gerechnet; Abschreibungen und zeitliche Unterschiede zwischen Zahlungseingängen und Ausgaben bleiben in diesem vereinfachten Beispiel außen vor.
Acht Gäste weniger pro Abend machen den Unterschied: Im geplanten Monat stehen dir nach der Kredittilgung rund 2.735 EUR zur Verfügung. Davon musst du noch Steuern, deine private Absicherung und Rücklagen finanzieren. Im schwächeren Monat bleiben nur rund 288 EUR.
Willst du unter diesen Annahmen nach der Kredittilgung mindestens 3.000 EUR für Ertragsteuern, private Absicherung und Lebensunterhalt zur Verfügung haben, brauchst du durchschnittlich mindestens 41 Gäste pro Abend. Für zusätzliche betriebliche Rücklagen solltest du entsprechend mehr Umsatz einplanen.
Dein nächster Schritt: Ersetze Gästezahl, Umsatz pro Gast und Ausgaben durch deine eigenen Werte. Prüfe anschließend, ob du die nötigen Gästezahlen auch an ruhigen Wochentagen und außerhalb der Hauptsaison erreichen kannst. So wird aus einer Umsatzidee eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
Entscheide, was für eine Art Kneipe du eröffnen willst: Eckkneipe, Sportkneipe, Musikkneipe oder Treffpunkt für regionale Biere. Lege Zielgruppe, Angebot und Öffnungszeiten fest und prüfe, was dich von anderen Lokalen im Viertel unterscheidet. Das Konzept bestimmt alles Weitere, vom Standort über die Einrichtung bis zum Personal.
Konzept und Umfeld müssen zusammenpassen. Denk Lärmschutz und Außengastronomie von Anfang an mit, bevor du einen Mietvertrag unterschreibst. Wie du Standort und Nachbarschaft prüfst und ob eine Übernahme oder Neugründung besser passt, steht im Abschnitt Neugründung oder Übernahme.
Der Businessplan zeigt, ob deine Kneipe ihre Rechnungen bezahlt und dir genug zum Leben lässt. Er ist außerdem Voraussetzung für fast jede Finanzierung. Alle Bausteine findest du im Abschnitt Businessplan für deine Kneipe.
Berechne deinen Kapitalbedarf und kläre, welche Bausteine du kombinierst: Eigenkapital, Förderkredit, Brauereidarlehen oder Crowdfunding. Kläre mit deiner Bank, welche Eigenmittel und Sicherheiten für die gewählte Finanzierung erforderlich sind (Details stehen im Abschnitt Wie finanzierst du deine Kneipe?, die Kosten im Abschnitt Was kostet es, eine Kneipe zu eröffnen?).
Kläre frühzeitig die Gewerbeanmeldung, das gaststättenrechtliche Erlaubnis- oder Anzeigeverfahren und gegebenenfalls die IHK-Unterrichtung. Welche weiteren Schritte erforderlich sind, siehst du im Abschnitt Welche Genehmigungen und Behördengänge kommen auf dich zu? Nutze auch unsere Checkliste, damit du nichts Wichtiges vergisst.
Der Tresen ist das Herzstück deiner Kneipe, plane ihn mit kurzen Wegen für dein Team. Dazu kommen Zapfanlage und Kühlung, die zu den erwarteten Mengen passen. Schallschluckende Materialien sorgen für eine angenehme Akustik, die auch deine Nachbarschaft schont. Für Sportübertragungen brauchst du TV oder Beamer mit guter Sicht von möglichst vielen Plätzen. Setze außerdem auf robuste Möbel, die den Alltag aushalten.
Hol Angebote ein und vergleiche Preise, Lieferzeiten und Konditionen. Prüfe genau, welche Bindungen du eingehst, etwa Abnahmemengen und Laufzeiten, und lass Verträge vor der Unterschrift prüfen. Tipps zum Umgang mit Brauereiverträgen findest du im Abschnitt zum Brauereidarlehen.
Setze auf feste Gesichter für deine Stammgäste und auf Aushilfen für Spitzenzeiten wie Wochenenden und Sportabende. Denk daran, dass du dich nicht nur um den Tresen kümmerst, sondern auch um Einkauf, Buchhaltung und Eventplanung. Rechne bei den Personalkosten mit dem Arbeitgeberbrutto, nicht nur mit dem Nettolohn (Laufende Kosten).
Leg ein Google-Unternehmensprofil an und mach dich auf Instagram sichtbar. Hänge Flyer im Viertel aus und lade zu einem Eröffnungsabend mit Freibier-Runde ein. Feste Formate wie Quizabend, Bundesliga oder Live-Musik geben Gästen einen Anlass, wiederzukommen, und ein Stammgast-Bonus belohnt ihre Treue.
Die meisten Fehler entstehen nicht am Tresen, sondern davor: bei Verträgen, mit den Nachbar*innen und bei den Zahlen. Diese fünf besonders verbreiteten Fehler solltest du kennen – und vermeiden:
Weitere Stolperfallen aus der gastronomischen Praxis findest du in unserem Ratgeber Bar eröffnen. Lass dich außerdem von echten Businessplänen erfolgreicher Unternehmen inspirieren.
Hol dir Inspiration für deinen Businessplan: SmartBusinessPlan bietet über 30 komplette Beispiel-Businesspläne für zum Herunterladen - und das komplett kostenlos.
Du brauchst keinen Meisterbrief, um deine eigene Kneipe zu eröffnen. Was zählt, sind ein klares Konzept, passende Räume und solide Zahlen, die auch einen schwachen Monat aushalten. Kläre die behördlichen Anforderungen früh, prüfe Verträge sorgfältig und plane deinen Lebensunterhalt mit ein. Mit einem Businessplan findest du heraus, wie aus deiner Idee ein tragfähiges Geschäft wird. Nimm deine Kneipenidee ernst – und mach den ersten Schritt.
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Prüfe, ob dein Konzept zum Standort passt und ob die Räume für deinen geplanten Betrieb geeignet sind. Berechne Startkosten, laufende Ausgaben und deinen privaten Lebensunterhalt. Kläre außerdem frühzeitig mit deiner Gemeinde, welche Erlaubnisse oder Anzeigen erforderlich sind. Ein Businessplan hilft dir, Finanzierung, Personal und die nächsten Schritte bis zur Eröffnung aufeinander abzustimmen.
Wo das Bundesgaststättengesetz gilt, brauchst du beispielsweise keine Gaststättenerlaubnis, wenn du ausschließlich alkoholfreie Getränke und zubereitete Speisen anbietest. Auch unentgeltliche Kostproben sind ausgenommen. Andere Bundesländer haben eigene Verfahren: In Baden-Württemberg ersetzt seit 2026 grundsätzlich eine Anzeige die klassische Konzession, auch bei Alkoholausschank. Weitere Pflichten, etwa zu Gewerbeanmeldung, Unterrichtung, Hygiene und Baurecht, musst du trotzdem beachten (§ 2 GastG, Gaststättenrecht Baden-Württemberg).
Wenn für deine Kneipe eine Gaststättenerlaubnis vorgeschrieben ist, kommt es insbesondere auf deine Zuverlässigkeit, die erforderlichen Nachweise und geeignete Räume an. Baurechtliche Fragen oder notwendige Umbauten können zusätzlichen Aufwand verursachen. Kläre die Anforderungen deshalb vor Abschluss eines Miet- oder Pachtvertrags mit der zuständigen Behörde und plane ausreichend Vorlauf ein (§ 4 GastG).
Ist eine Gaststättenerlaubnis vorgeschrieben und du betreibst deine Kneipe ohne sie, drohen ein Bußgeld und die behördliche Unterbindung des Betriebs. In Bundesländern mit Anzeigeverfahren können auch Verstöße gegen die dortigen Anzeigevorschriften Folgen haben. Kläre deshalb vor der Eröffnung, welche Voraussetzungen und Fristen für deinen Standort gelten (§ 28 GastG, § 15 GewO, § 2 LGastG Baden-Württemberg).
Das lässt sich nicht pauschal beziffern. Entscheidend sind deine Gästezahlen, Preise, Einkaufskonditionen sowie Miet- und Personalkosten. Ein hoher Umsatz bedeutet noch kein hohes persönliches Einkommen. Plane deshalb nicht nur den betrieblichen Gewinn, sondern auch Steuern, Kredittilgungen, Rücklagen und deine private Absicherung ein. Deine Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung zeigt dir, wie viel für deinen Lebensunterhalt verfügbar bleibt.
„Gaststätte“ ist der Oberbegriff für Betriebe, die Getränke oder zubereitete Speisen zum Verzehr vor Ort anbieten. Eine Kneipe ist typischerweise eine Schankwirtschaft, bei der Getränke im Mittelpunkt stehen. Für die rechtlichen Anforderungen zählen dein konkretes Angebot und die Vorschriften deines Bundeslands. Die Bezeichnung „Kneipe“ begründet keine eigenen Ausnahmen (§ 1 GastG).
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