Die Gastro Startup Sessions 2017 in Hamburg

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Am 7. und 8. Februar 2017 kam die Avantgarde der deutschen Gastronomie auf Einladung des Leadersclubs Germany in Hamburg zusammen, um jungen Gastro-Gründern auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit zu helfen. Das Motto: Man muss nicht alle Fehler selber machen.

Wir von SmartBusinessPlan waren dabei und haben für euch zusammengefasst, was Neugründer von den Platzhirschen der Gastroszene lernen können.

Die Redner

Etablierte Gastronomen, Newcomer und Branchenexperten standen den angereisten Gastro-Gründern zwei Tage lang Rede und Antwort, um sie an ihren Erfahrungen und ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Das Herzblut und die Hilfsbereitschaft der Beteiligten waren in jedem Moment zu spüren. Alle Redner waren ehrenamtlich angetreten, um den Neulingen in der Branche zur Seite zu stehen. Von Konkurrenzkampf, Selbstbeweihräucherung und Misstrauen keine Spur.

Die Gäste

Es war eine buntgemischte Gesellschaft, die sich im Brauereigasthaus Altes Mädchen in Hamburg versammelt hatte: Da saß der seriöse Mittvierziger, der vor Kurzem ein Wirtshaus in Oberbayern übernommen hat, neben dem tätowierten Hipster mit Vollbart, der einen Club übernehmen möchte und noch auf der Suche nach dem ultimativen Konzept ist. Und das Ehepaar aus Düsseldorf, das nach fast 30 Jahren Berufstätigkeit jetzt mit einem italienischen Bistro einen Neuanfang wagen möchte, unterhielt sich in der Kaffeepause angeregt mit der frischgebackenen Inhaberin eines vegetarischen Cateringunternehmens.

Die Themen

„How to build a food business?“ – so lautete die große Überschrift über dem Ganzen. Die einzelnen Unterthemen waren so vielfältig, wie die Gäste: Wie kann mir die Digitalisierung die Arbeit erleichtern? Wozu brauche ich einen Businessplan? Welche Finanzierung passt zu mir? Wie gelingt eine Crowdfunding-Kampagne? Welche Chancen bietet Franchising? In über 30 Vorträgen, Workshops und Diskussionen wurden Antworten gesucht und gefunden.

Der Clou

Das Besondere an der Veranstaltung, die nach einem erfolgreichen Start 2015 in Berlin bereits in die zweite Runde ging: Es wurden keine Statistiken runtergebetet, sondern echte Geschichten erzählt. Geschichten von den Erfolgen, aber – mit erstaunlicher Offenheit – auch von den Misserfolgen der Teilnehmer. „Wenn ich das früher erfahren hätte, ich hätte einiges anders gemacht“ – so oder ähnlich äußerten sich viele der angehenden Gastro-Unternehmer in den Gesprächen zwischen den Sessions. Schon nach den ersten Sessions waren sich alle einig: Der Weg nach Hamburg hat sich gelohnt, denn was man hier lernen konnte, steht in keinem Ratgeber und wird auf keinem Gründerseminar unterrichtet.

Die Trends 2017

Was sind die Trends für 2017 in Sachen Essen und Trinken? Das interessierte natürlich alle! Und es konnte zu diesem Thema keinen besseren Redner geben als Brian Patton. Der charismatische Ire ist einer der innovativsten Gastgeber Wiens. Mit seinem Team, der Culinary Love Band, erdenkt er immer wieder originelle Konzepte, eröffnet Pop-ups und geht neue kulinarische Wege.

Brians wichtigste Botschaft auf den Gastro Startup Sessions war so einfach, wie ernüchternd: Lauft den Trends nicht hinterher. Inspirieren lassen ja, kopieren nein! Denn worauf es als Gastgeber wirklich ankommt, ist Authentizität. „Nur wenn ihr selbst leidenschaftlich für eure Idee brennt, könnt ihr auch andere davon überzeugen“, so Brian, und wer ihn auf den Sessions erlebt hat, weiß: genau darin liegt das Geheimnis seines Erfolgs.

Photo Brian Patton

Brian Patton, Culinary Love Band, Wien. © Henning Anger, Leaders Club Germany

Seid offen für Neues, aber bleibt ihr selbst

Brian holt sich seine Ideen am liebsten auf Reisen zu den kulinarischen Hot Spots der Welt. Mit seinem Koch hat er sich zum Beispiel auf einen Trip quer durch Texas begeben, um sich von den Grill-Experten vor Ort in die Geheimnisse des BBQ einführen zu lassen. Anschließend haben sie das Gelernte an die Donau übertragen und mit ihrem Pop-up-Grill auch die Wiener mit ihrer neuen Leidenschaft angesteckt.

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„Testing, testing, one, two...“
Probiert aus, ob eure Idee ankommt

Ein temporärer Pop-up ist eine tolle Idee, um zu testen, ob ein Angebot bei den Gästen wirklich ankommt. Noch einfacher geht das mit sogenannten Supper Clubs. Das Prinzip ist schnell erklärt: Gekocht und aufgetischt wird Zuhause, je nach Platz für zwei oder zwanzig Personen. So wie es die Betreiberin des häppies, Uli Marschner, gemacht hat, die uns von ihren Erfahrungen berichtete.

Ihr Konzept klingt erstmal kurios: Ein Knödel-Restaurant, mitten im hippen Berlin – kann das klappen? Doch nachdem Uli ihre herzhaften Knödel in der heimischen WG-Küche zahlreichen Freunden und Bekannten vorgesetzt hatte, waren alle Zweifel ausgeräumt: „Die Test-Esser konnten von meinen Knödeln gar nicht genug bekommen. Das hat mir den Mut gegeben, ernst zu machen und einen eigenen Laden anzumieten“ erzählte sie rückblickend. Seit vier Jahren macht sie dort nun schon ihre Gäste glücklich – und sich selbst natürlich auch.

Photo Uli Marschner

Rechts im Bild: Uli Marschner vom häppies in Berlin © Henning Anger, Leaders Club Germany

Instagram, Facebook & Co.
Erzählt den Leuten eure Geschichte

Ein glückliches Leben, das ist auch der Antrieb von auch Jo und Kosi, die mit bürgerlichen Namen Johannes Riffelmacher und Thomas Kosikowski heißen und hinter dem Label Salt & Silver stehen. Eines Tages schmissen die Freunde ihre Werber-Jobs, um ihren Traum zu leben. Einen Plan hatten sie nicht, nur die Gewissheit, dass sie ihr Leben nicht in Agenturen und hinter Schreibtischen fristen wollten. Also machten sie erstmal das, was sie am liebsten tun: reisen, surfen, kochen. Daraus wurde ein Kochbuch mit gleichem Namen. Mit den unterwegs erworbenen Kochkünsten und Rezepten begeisterten sie die Daheimgebliebenen, sie bekamen immer mehr Anfragen, schrieben ein zweites Buch – und stehen heute kurz vor der Eröffnung ihres ersten eigenen Restaurants.

Ein Selbstläufer? Ganz sicher nicht. Von Anfang an haben die beiden sympathischen Jungs aus Hamburg ihre Geschichte vermarktet – das hatten sie als Werber schließlich von der Pike auf gelernt. Auf allen Social-Media-Kanälen kann man sie auf ihrem großen Abenteuer begleiten. Und jeder, der heute Salt & Silver für sein Event bucht, der zahlt nicht nur für ein äußerst leckeres Büfett, sondern auch für ein Stück von diesem Traum.

Eine der vielen Lehren, die Gastro-Gründer von den Sessions mitnehmen konnten, lautet also: Es reicht nicht, den Leuten Essen und Trinken zu servieren. Ihr müsst ihnen eine Geschichte dazu erzählen. Das geht natürlich heute über Instagram, Facebook oder Youtube, aber – und das sollte nicht vergessen werden – eben auch über die Gestaltung der Speisekarten, die Einrichtung des Ladens, die Leute, die dort arbeiten, die ganze Unternehmenskultur. Es kommt auf jede Kleinigkeit an!

Photo Jo und Kosi

Jo (links) und Kosi (rechts) von Salt & Silver,Hamburg © Henning Anger, Leaders Club Germany

Verliebt euch nicht Hals über Kopf in eure Idee

Eines haben alle Redner, die auf den Gastro-Startup-Sessions von ihren Erfahrungen berichtet haben, gemeinsam: Eine große Leidenschaft für das, was sie tun. Was allerdings passieren kann, wenn die Leidenschaft in blinde Liebe umschlägt, das hat Jan Evers vom SmartBusinessPlan-Team den Teilnehmern schonungslos vor Augen geführt: „Einige Gründer sind so von ihrer Idee überzeugt, dass sie die Realität aus dem Blick verlieren. Wenn sie aus ihrem Liebeswahn aufwachen, ist es oft zu spät und die Pleite steht vor der Tür.“ Sein wichtigster Tipp aus vielen Jahren in der Förder- und Gründerberatung: Verliebt euch nicht zu früh in eure Idee. Bleibt offen für Veränderungen, denkt an die Wünsche eurer Gäste und probiert erstmal aus, was geht. Und wenn es gar nicht laufen will: Zieht rechtzeitig die Reißleine!

Photo Jan Evers

Jan Evers von SmartBusinessPlan © Henning Anger, Leaders Club Germany

Wachstum als Risiko?

Von ganz anderen Herausforderungen konnte Hendrik Haase von der preisgekrönten Metzgerei Kumpel & Keule in Berlin berichten. Seine überraschende Erfahrung: Auch zu viel Erfolg kann zum Risiko für Gründer werden. Wenn schlagartig der Laden zu klein wird, die Lieferanten nicht nachkommen und die Leute jeden Tag Schlange stehen, gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. „Bei uns tauchten plötzlich sogar ganze Fernsehteams vor der Theke auf und wollten mitten im laufenden Betrieb ihre Kameras aufbauen“ berichtete Hendrik immer noch kopfschüttelnd. Inzwischen haben er und sein Kumpel ihren Weg gefunden, um mit dem Ansturm klarzukommen. Dazu gehört, an ihrer Kernidee festzuhalten: Transparenz, handwerkliches Können und vor allem: keine Kompromisse bei der Qualität.

Photo Hendrik Haase

Hendrik Haase von der Metzgerei Kumpel & Keule, Berlin © Henning Anger, Leaders Club Germany

Ein Rückblick auf zwei vollgepackte Tage
Was hat’s gebracht?

So viel geballtes Wissen von echten Branchen-Insidern! Wer 2017 bei den Gastro-Startup-Sessions in Hamburg dabei war und gut aufgepasst hat, der hat gute Chancen, schon bald selbst zu den Spitzenreitern der Szene zu gehören. Wir dürfen gespannt sein, wie die Zukunft der Branche aussehen wird, wünschen allen Gründern in der Gastronomie viel Erfolg – und freuen uns jetzt schon auf die nächste Runde der Start-up-Sessions!

 

Über den Autor
Susanne Schreck

Susanne Schreck ist Texterin aus Leidenschaft. Als Online-Redakteurin von SmartBusinessplan ist Susanne in der Gründer-Szene unterwegs und spürt spannende Geschichten hinter Businessplänen und Gründungen für euch auf.

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bhp