Eine eigene Boutique eröffnen – wie geht das?

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Du bist begeistert von Mode und möchtest gerne eine Boutique eröffnen? Ich habe  die wichtigsten Empfehlungen für Gründer in der Modebranche zusammengefasst und mit einer Boutique-Inhaberin aus Hamburg über ihre Erfahrungen gesprochen.

In Deutschland kann jeder eine Boutique eröffnen. Es gibt keine gesetzlichen Voraussetzungen. Hier bieten sich also echte Chancen für Quereinsteiger. So wie Birgit Rohde, die nach ihrem Germanistik-Studium zunächst als Gastronomin tätig war, bevor sie mit ihrem Partner Sam Bomboma die Modeboutique Marose in Hamburg eröffnete. Als ich sie um ein Interview für unseren Blog bitte, erklärt sie sich sofort bereit dazu. Sie unterstützt uns gerne mit ihrer Erfahrung, damit wir euch unterstützen und den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern können.

Voraussetzung: Spaß an Mode und ein Sinn fürs Kaufmännische

Birgit und Sam beschlossen vor gut zehn Jahren, ihrer Leidenschaft für Mode mehr Raum zu geben und mit ihrer Boutique einen tragbaren, femininen Look zu kreieren. „Es gehört aber noch mehr als Spaß an Mode dazu“, wie Birgit im Gespräch betont. „Unabdingbar ist auch kaufmännisches Know-how: Ware bestellen, mit Lieferanten verhandeln, die Buchführung am Wochenende – das ist ein großer Teil meiner Arbeit.“

Wenn du dich noch nie mit betriebswirtschaftlichen Themen befasst oder im Einzelhandel gearbeitet hast, solltest du das unbedingt nachholen. Fachbücher lesen, an Gründerseminaren teilnehmen oder einige Zeit in einem Bekleidungsgeschäft mitarbeiten – es gibt viele Wege, sich das nötige Wissen anzueignen. Erkundige dich bei der IHK oder der Volkshochschule vor Ort nach entsprechenden Angeboten. Du kannst dir auch einen Partner ins Boot holen, der diese Lücke füllt.

Verkaufsraum eines Ladens mit Jacken

Boutique kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt kleines Geschäft und Kramladen. Nach Kram sieht es hier allerdings nicht aus.

Was muss ich tun, um eine Boutique zu eröffnen?

Um loslegen zu können, musst du deine Boutique eigentlich nur beim Gewerbeamt anmelden. Wenige Tage nach der Gewerbeanmeldung bekommst du einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den du ausgefüllt an das Finanzamt schickst. Darin gibst du an, was du verkaufen möchtest, wie hoch deine erwarteten Umsätze und Gewinne sein werden und welche Rechtsform du für dein Unternehmen wählst.

Die Rechtsform hat steuerliche Auswirkungen auf deine Existenzgründung. Wahrscheinlich wirst du dich für eine UG (Unternehmergesellschaft), eine GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) oder eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) entscheiden. In unserem Blogartikel „Der Hype um die Rechtsform eines Unternehmens – 5 Klarstellungen erfährst du mehr über die jeweiligen Vor- und Nachteile der möglichen Optionen.

Außerdem wirst du Post von der Industrie- und Handelskammer (IHK) bekommen, die dir gleich einen Mitgliedsantrag schickt. Leider hast du keine Wahl, die Mitgliedschaft ist in der Regel Pflicht.

Unabdingbar ist auch die Anmeldung deines Modegeschäfts bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik. Sie ist für die gesetzliche Unfallversicherung von Unternehmen und ihren Beschäftigten im Einzelhandel zuständig. Aufgepasst: Auch, wenn du als Kleinunternehmer noch gar keine Mitarbeiter einstellst, musst du dich bei der Berufsgenossenschaft anmelden.

Das sind die offiziellen Schritte, die du bis zur Eröffnung deiner Boutique gehen musst. Aber natürlich gehört noch einiges mehr an Vorbereitung dazu. Der wichtigste Rat, den Birgit anderen Gründern mitgeben möchte, lautet: Hört auf zu Träumen. „Eine nüchterne Herangehensweise ist das A und O. Ihr müsst knallhart kalkulieren und dürft nichts beschönigen. Sonst steht ihr im schlimmsten Fall vor dem Nichts.“

Wozu brauche ich einen Businessplan?

Wir empfehlen, zu diesem Zweck einen Businessplan zu schreiben. Er zeigt dir im Idealfall sehr klar, ob, ab wann und unter welchen Bedingungen sich deine Modeboutique wirtschaftlich tragen wird. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du beim Schreiben schonungslos ehrlich bist und deine Annahmen, etwa was deine zukünftigen Umsätze angeht, gut begründen kannst.

Mit SmartBusinessPlan wollen wir dir das Schreiben so leicht wie möglich machen: Kurze Leitfragen führen dich durch die einzelnen Kapitel deines Businessplans und im Zahlenteil stehen dir unsere Finanzplan-Assistenten zur Seite. Außerdem stellen wir dir 30 Businesspläne von erfolgreich finanzierten Unternehmern zur Verfügung, von denen du dich inspirieren lassen kannst – darunter auch Ladengeschäfte, Händler und Gründungen aus der Modebranche.

In deinem Businessplan beantwortest du alle zentralen Fragen zu deinem Vorhaben:

  • Wie stark ist die Konkurrenz?
  • Wie willst du dich von deinen Wettbewerbern absetzen?
  • Was weißt du über deine Zielgruppe und wie willst du sie erreichen?
  • Wo findest du den perfekten Standort für dein Modegeschäft?
  • Wie hoch sind die Kosten und wie viel musst du pro Monat, pro Woche und pro Tag verkaufen, um sie wieder einzuspielen?
  • Ab wann wirst du schwarze Zahlen schreiben?
  • Wie viel Geld brauchst du, um die Anfangsphase zu überbrücken?

Durchhaltevermögen ist gefragt

Ich habe schon viele Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet und gemeinsam haben wir gelernt: Die ersten drei Jahre nach der Gründung können wirklich hart werden. Darauf solltest du dich einstellen, wenn du eine Boutique eröffnen möchtest. Es dauert eben seine Zeit, bis du dir eine treue Stammkundschaft aufgebaut hast und sich dein Angebot in der Stadt herumgesprochen hat.

Denk dran, dass du jederzeit in der Lage sein musst, deine laufenden Kosten (privat und betrieblich) zu bestreiten – auch wenn die Einnahmen deiner Boutique am Anfang noch nicht so üppig sprudeln. Plane rechtzeitig, wie du deine Liquidität sicherst. Reicht dein Eigenkapital oder brauchst du einen Kredit? Mit dem Finanzplan-Tool von SmartBusinessPlan behältst du den Überblick und wirst automatisch gewarnt, falls deine Liquidität in Gefahr gerät.

Die Überbrückung der Anfangszeit wird vermutlich den größten Teil deines Geldes verschlingen. Es kommen aber noch weitere Kosten auf dich zu, etwa für die Ausstattung und den Umbau deines Ladens oder für die Werbung. Mit unserer Checkliste kannst du prüfen, ob du bei deiner Kalkulation an die wichtigsten Kostenfaktoren gedacht hast.

Infografik mit den wichtigsten Boutique-Kosten

Diese Kosten kommen auf dich zu, wenn du eine Boutique eröffnen möchtest

Welche Rolle spielt der Standort?

Wie bei allen Gründungen im Einzelhandel spielt der Standort eine entscheidende Rolle für deinen Bekleidungsladen. Natürlich wäre eine Lage direkt an der beliebten Einkaufsstraße in der Innenstadt optimal – aber kannst du dir die Mieten dort wirklich leisten? Überschlage mal, wie viele Blusen du dafür jeden Tag verkaufen müsstest… Wahrscheinlich wirst du einen Kompromiss finden müssen zwischen der Miethöhe einerseits und der Qualität der Lage andererseits.

So ging es auch Birgit und Sam. Sie haben sich damals über 20 leerstehende Geschäfte im gesamten Stadtgebiet angeschaut. Auch Standorte im feinen Hamburg-Eppendorf mit einer sehr stilbewussten und kaufkräftigen Bewohnerschaft waren darunter. Entschieden haben sich die beiden Gründer dann aber für ein Geschäft in einer zugigen und eher unwirtlichen Fußgängerzone in Altona. Warum? „Weil die Miete stimmte und dort viele Leute unterwegs waren“, erklärt Birgit. Schon als selbstständige Gastronomin habe sie ein „untrügliches Gespür für Z-Lagen“ entwickelt, wie sie lachend sagt – und meint damit Standorte, die noch sehr, sehr tief im Dornröschenschlaf liegen. So war es auch bei dem Laden in der Fußgängerzone, dessen Potenzial Birgit und Sam erkannten.  Wenn auch nicht auf den ersten Blick: „Wir haben uns stunden-, ja tagelang in der Nähe des Ladens aufgehalten, bevor wir den Mietvertrag unterzeichnet haben“, erinnert sich Birgit. „Wir haben das Treiben vor der Tür beobachtet, per Strichliste festgehalten, wie viele Leute wann an dem Laden vorbeikommen, aber auch darauf geachtet, was das für Leute sind. Dann haben wir versucht, daraus Rückschlüsse auf das Kaufverhalten der Leute abzuleiten, und unser Konzept daran ausgerichtet.“

Der Aufwand hat sich gelohnt: Heute ist die Nachbarschaft regelrecht aufgeblüht, die Laufkundschaft hat deutlich zugenommen und die Boutique Marose hat sich nach anfänglich harten Jahren im Stadtteil etabliert.

Mit Strategie zum Erfolg: Die richtige Positionierung finden

Nicht nur der Standort zählt, mindestens ebenso bedeutsam ist eine tragfähige Positionierung. Klamotten gibt es heute an jeder Ecke und zu jedem Preis, auch im Internet. Weder mit den Online-Riesen noch mit den großen Kaufhäusern und Modeketten kannst du mithalten, was die Breite des Angebots angeht. Trotzdem musst du den Leuten einen Grund geben, zu dir zu kommen – das ist mit Positionierung gemeint.

Auch Birgit weiß, dass es ohne nicht geht: „Du musst dich abheben und deinen Kunden etwas bieten, was sie woanders nicht finden“, so ihr eindringlicher Rat an alle, die eine  Boutique gründen möchten. Marose hat sich auf feminine Kleider spezialisiert, die schick und alltagstauglich zugleich sind, und sich damit einen festen Kundenstamm aufgebaut. Außerdem setzen Birgit und Sam auf kleine Qualitätslabel, die sie seit Jahren kennen. Dadurch bekommt der Kunde die Sicherheit, das die Qualität stimmt und die Produktionsbedingungen fair sind. Zu wissen, dass das neue Kleid von einem kleinen Modebetrieb aus Paris kommt und nicht aus einem Sweatshop in Asien, gibt den Kunden ein gutes Gefühl.

Außerdem sind die beiden als Sozialunternehmer aktiv: Sie gründeten 2014 in Togo einen Verein und eine angeschlossene Schneiderei. Der Verein verhilft jungen Frauen zu einer kostenlosen Ausbildung, ermöglicht Kindern den Schulbesuch und vergibt Mikrokredite an Frauen, die sich damit eine eigene Existenz aufbauen können. Die Kissen, die in der Schneiderei genäht werden, werden bei Marose verkauft. Aus dem Erlös wird wiederum die Arbeit des Vereins finanziert.

Ihr Engagement für die Menschen in Togo ist für Birgit und Sam eine Herzenssache. Aber es stärkt zugleich die einzigartige Positionierung von Marose als eine Boutique, in der nicht nur tolle Kleidung verkauft wird, sondern auch auf soziale Verantwortung wert gelegt wird.

Aber wie findest du als Gründer die passende Positionierung für dich? Leider gibt es dafür kein Patentrezept. Fest steht, dass es weder von heute auf morgen, noch durch reine Denkarbeit geht. Um deine Nische zu finden und ein Angebot zu entwickeln, das deine Kunden begeistert, musst du ihre inneren Beweggründe erkennen. Und das geht nur, indem du mit ihnen sprichst und ihnen genau zuhörst.

Vergiss aber auch deine eigenen Neigungen und Stärken nicht. Besinne dich auf deine Erfolge und auf das, worin du richtig gut bist. Wenn es dir gelingt, deine individuellen Fähigkeiten so einzubringen, dass du ein wichtiges Problem deiner Kunden lösen kannst, hast du deine Positionierung gefunden.

Du und deine Kunden – so werdet ihr unzertrennlich

Ohne eine feste Stammkundschaft wird es dir kaum gelingen, mit deiner Modeboutique  neben Amazon, Zara & Co. zu überleben. Wie kannst du aus deinen Erst-Kunden treue Stammkunden machen?

Birgit und Sam haben sich eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Kundenbindung ausgedacht. Sie veranstalten zum Beispiel Kleiderpartys nach dem Vorbild der bekannten Tupperpartys: Dann packt Birgit eine Auswahl ihrer Kollektionen ins Auto und fährt zu den Kundinnen nach Hause. In gelöster Atmosphäre können sie dort gemeinsam mit ihren Freundinnen Kleider anprobieren, sich gegenseitig beraten und in aller Ruhe auswählen. So kurbelt Birgit nicht nur die Verkäufe an, sondern festigt und erweitert auch ihre Kundschaft. Einige ihrer Stammkundinnen hat sie sogar zu Marose-Botschafterinnen fortgebildet: Sie geben jetzt selbst solche Partys und erhalten dafür eine Verkaufsprovision.

Außerdem wird der Laden regelmäßig  zur Event-Location: Ob Modenschau, After-Work-Shopping oder Schaufenster-Konzert – Birgit und Sam schaffen immer wieder besondere Anlässe. Auch das fördert die Verkäufe und bindet die Kunden, was für kleine, aber feine Läden wie das Marose von größter Bedeutung ist.

Team Boutique Marose

In gelöster Atmosphäre werden auf Kleiderpartys von Marose die Kollektionen anprobiert.

Fazit: Die eigene Boutique ist eine Chance – aber nichts für Träumer

Birgits Fazit nach vielen Jahren der Selbständigkeit fällt eindeutig positiv aus. Sie ist überzeugt: Wer ein Konzept findet, das zu seiner Persönlichkeit passt, kann mit der eigenen Boutique ein sehr erfüllendes Berufsleben finden. Kaum ein Beruf biete so viele Gestaltungsmöglichkeiten, inspirierende Begegnungen und abwechslungsreiche Tage, wie dieser. Birgit selbst ist nach wie vor glücklich, jeden Tag von schönen Mustern, Schnitten und Materialien umgeben zu sein. „Das gibt mir viel und bringt mich nach vorne“, schwärmt sie. Aber auch die weniger glamourösen Seiten ihrer Selbständigkeit, wie die Buchhaltung oder das Aushandeln von Verträgen, bereiten ihr Freude. Und das ist wohl einer der Gründe für ihren Erfolg als Unternehmerin.

Wenn du wie Birgit die Leidenschaft für Mode mit einem Sinn fürs Kaufmännische vereinst und ein echtes Interesse für die Wünsche deiner Kunden mitbringst, kannst du dir mit der Eröffnung einer eigenen Boutique nicht nur einen Traum erfüllen, sondern auch eine wirtschaftliche Existenz aufbauen.

Gutes Gelingen und viel Freude dabei wünscht dir dein

Dr. Jan Evers

Links

Marose im Internet: http://marose-hamburg.de

Über den Autor
Susanne Schreck

Susanne Schreck ist Texterin aus Leidenschaft. Als Online-Redakteurin von SmartBusinessplan ist Susanne in der Gründer-Szene unterwegs und spürt spannende Geschichten hinter Businessplänen und Gründungen für euch auf.

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bhp