Die Liquiditätsplanung im Businessplan – die 5 größten Gefahren für Gründer
Dr. Jan Evers | Mai 9, 2018

Als Gründer musst du unbedingt dafür sorgen, dass du liquide bleibst. Wie das geht, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Die Liquiditätsplanung in deinem Businessplan gibt einen Überblick darüber, wie sich dein Kontostand in den ersten Jahren nach der Gründung entwickelt. Sie stellt deine Einzahlungen deinen Auszahlungen gegenüber.

Der Liquiditätsplan ist extrem wichtig für deinen Unternehmensstart, sogar fast noch wichtiger als die Rentabilität. Grund genug, sich heute einmal genauer mit diesem Thema zu befassen.

Was ist Liquidität?

Wer liquide ist, ist flüssig. Er hat also genug Geld, um alle seine Außenstände zu begleichen. Woher dieses Geld kommt, ist egal: Ob es erwirtschaftet, geliehen oder in einer Tombola gewonnen wurde, spielt für die Liquiditätsplanung keine Rolle.

Darin unterscheidet sie sich von der Rentabilität. Die Rentabilitätskurve in deinem Businessplan beschreibt deine Gewinne, also das, was übrig bleibt, wenn du deine Ausgaben von deinen Einnahmen abziehst. Die Liquiditätskurve beschreibt die tatsächliche Füllhöhe deines Portemonnaies bzw. Kontos.

Im Idealfall zeigen beide Kurven nach oben – in der Realität muss das aber keineswegs so sein: Ein Unternehmen kann gleichzeitig liquide, aber (noch) nicht rentabel sein, oder umgekehrt rentabel, aber nicht liquide.

Was ist die Liquiditätsplanung?

Das Kapitel zur Liquiditätsplanung in deinem Businessplan beschreibt gewissermaßen deinen Kontoauszug der Zukunft. Du schaust voraus, wie viel Geld sich zum Stichtag in 6, 12 oder 24 Monaten auf deinem Konto befindet. Man könnte dieses Kapitel auch umbenennen in „Wie entwickelt sich unser Kontostand?“, so wie es die Gründer einer Webapplikation gemacht haben, deren Businessplan du als Nutzer von SmartBusinessplan lesen und als Vorbild nehmen kannst.

Screenshot aus SmartBusinessPlan, Kontostand-Entwicklung

Eigenes Kapitel für die Liquiditätsplanung im Businessplan: Wie entwickelt sich unser Kontostand?

Um deinen Kontostand vorhersagen zu können, musst du natürlich deine zukünftigen Zahlungsströme kennen. Zu den Auszahlungen gehören u. a. Waren- und Materialkäufe, Personalkosten, Versicherungen, Betriebskosten, Privatentnahmen (also dein Unternehmergehalt), Steuern und Tilgungsraten für deine Kredite. Unter den Einzahlungen finden sich deine Umsätze, aber auch dein Eigenkapital oder Kredite.

Während sich die Auszahlungen mit ein wenig Recherche und Planung recht gut ermitteln lassen, wird es bei den Einzahlungen schon schwieriger, vor allem, was deine Umsätze betrifft. Schließlich hast du noch keine Erfahrungswerte, auf die du zurückgreifen kannst. Dir bleibt nichts anderes übrig, als durch gründliche Analysen von Markt, Wettbewerb und Zielgruppe deine zukünftigen Einnahmen so gut es geht abzuschätzen. Je besser dir das gelingt, desto besser wird deine Liquiditätsplanung.

Sollte sie erkennen lassen, dass sich eine Lücke auftut und eines Tages Ebbe auf deinem Konto herrscht, musst du versuchen, diese Lücke zu schließen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwa Kredite, Förderdarlehen oder Zuschüsse (wie der Gründungszuschuss oder das Einstiegsgeld).

Warum ist die Liquiditätsplanung beim Gründen so wichtig?

Eine solide Liquiditätsplanung ist die Voraussetzung für deinen unternehmerischen Erfolg. Stell dir vor, dir geht plötzlich das Geld aus und du kannst deine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen oder keine neuen Waren mehr bestellen! Dann droht deiner Firma das Aus und es nützt dir gar nichts, dass deine Geschäfte eigentlich gerade anlaufen und deine Auftragsbücher voll sind.

Weil wir wissen, wie schwer sich viele Gründer mit dem Liquiditätsplan tun, haben wir ein Tool entwickelt, das aus deinen Angaben zu Erlösen und Kosten automatisch eine Liquiditätsvorschau erstellt. Spar dir also die Zeit, die du für das Basteln einer passenden Excel-Tabelle brauchst, und steig lieber gleich in die inhaltliche Planung deiner Gründung ein.

Falls das Ergebnis eine steil nach unten abfallende Kurve sein sollte, bleib ganz locker: Das ist normal. Wer sich selbstständig macht, hat oft erstmal hohe Ausgaben, während die Umsätze noch auf sich warten lassen.

Genauso erging es auch Stefan Schulze Dieckhoff und Stefan Clauss, die sich vor einigen Jahren mit der Produktion eines aufblasbaren Zeltes selbstständig machen wollten. Ihre Liquiditätsplanung sah damals so aus:

Diagramm der Liquidität über drei Jahre

Automatische Darstellung der Liquiditätsentwicklung auf Basis der eingegebenen Zahlen in SmartBusinessPlan.

Wie man gut erkennen kann, lagen vor den beiden Gründern zwei lange Jahre, in denen ihr Finanzpuffer fast ununterbrochen abgeschmolzen wurde. Entscheidend war aber, dass dabei der Nullpunkt niemals unterschritten und im März 2013 die Talfahrt endlich gestoppt wurde. Diese beiden Aspekte gaben letztlich den Ausschlag, das Vorhaben umzusetzen.

Eine Entscheidung, die die unerschrockenen Gründer nicht bereut haben. Heute ist ihr Unternehmen Heimplanet längst etabliert und schreibt schwarze Zahlen. Auch ihren Businessplan findest du übrigens neben knapp 30 weiteren echten Plänen bei SmartBusinessplan als Vorbild und Inspirationsquelle für deinen eigenen Businessplan.

Hier lauern Gefahren für deine Liquidität

Warum es wichtig ist, neben der Rentabilität deines Unternehmens auch die Liquiditätsplanung im Blick zu behalten, erklären wir dir anhand von ein paar typischen Gefahren, die deine Zahlungsfähigkeit bedrohen:

1. Investitionen

Auch für Laien ist es relativ leicht nachvollziehbar, dass Investitionen deine Liquiditätsreserven angreifen. Und zwar sofort und zu 100 Prozent. Hier erkennst du wieder einen Unterschied zwischen Liquiditäts- und Rentabilitätsplan. Auf letzteren wirken sich Investitionen nämlich nur scheibchenweise aus, denn sie werden steuerlich über einen längeren Zeitraum abgeschrieben, meist über vier Jahre. Das bedeutet, dass jedes Jahr ein Viertel der Investitionssumme von deinem Gewinn abgezogen und deine Steuerlast entsprechend geschmälert wird. Von deinem Konto geht das Geld freilich schon im ersten Jahr und auf einen Schlag ab.

2. Aufträge

Wie bitte? Aufträge sind doch eine feine Sache – wieso sollten sie schlecht für den Liquiditätsplan sein? Weil Aufträge häufig erstmal Kosten verursachen, die erst zu einem viel späteren Zeitpunkt wieder eingespielt werden. Je nach Vereinbarung können zwischen Auftragserteilung und Zahlungseingang mehrere Wochen oder sogar Monate liegen.

Lass uns das anhand eines Beispiels durchgehen: Tischlermeister Müller bekommt den Auftrag, einen Schrank zu bauen. Er bestellt das Holz und bezahlt einen Mitarbeiter, der den Schrank anfertigt – beides reduziert seinen Kontostand. Das Geld vom Kunden bekommt er aber erst zwei Wochen, nachdem der fertige Schrank ausgeliefert und die Rechnung gestellt wurde. Deshalb sollte unser Tischler mit seinem Kunden eine Anzahlung von mindestens 50 Prozent bei Auftragsvergabe verabreden und die Rechnung unverzüglich nach Auftragserfüllung schreiben, um zu verhindern, dass er zu stark in Vorleistung gehen muss. Leider gehen viel zu wenig Unternehmer diesen Weg, weil sie ihrer Liquiditätsplanung zu wenig Beachtung schenken.

3. Wachstum

Aus Punkt 2 folgt Punkt 3: Schnelles Wachstum kann zu einem Problem für ein junges Unternehmen werden, weil dadurch der oben beschriebene Effekt verstärkt wird: Steigt die Zahl der Aufträge, steigen auch die Ausgaben. Was für dramatische Folgen das für ein dynamisch wachsendes Unternehmen haben kann, zeigt unser Beispielplan für einen Online-Handel. Kai Grimme, der Gründer eines florierenden Delikatessenhandels, konnte jahrelang seine Chancen nicht richtig nutzen und musste das Wachstum seines Unternehmens hinauszögern, weil seine Bankenfinanzierung gemäß Liquiditätsplanung für ein schnelleres Wachstum nicht ausreichte. In seinem Fall bedeutete das, dass er die steigende Nachfrage nicht bedienen konnte, weil er kein Geld hatte, um größere Warenlager zu unterhalten.

Das Risiko, infolge schnellen Wachstums zahlungsunfähig zu werden, ist besonders groß bei Unternehmen, die selbstfinanziert starten, die also ihre Ausgaben von Anfang an ausschließlich aus ihren Gewinnen bestreiten. Kalkuliere deine Finanzierung deshalb lieber nicht zu knapp und sorge für einen ausreichenden Puffer, damit finanzielle Engpässe später nicht zum Hemmschuh für die Entwicklung deines Unternehmens werden.

4. Die Steuer

Viele Gründer tappen ausgerechnet dann in eine Liquiditätsfalle, wenn es erstmals wirtschaftlich bergauf geht. Sobald sie die schwierige Anlaufphase hinter sich haben, müssen sie oft auf einen Schlag eine so hohe Summe an das Finanzamt entrichten, dass die Situation buchstäblich existenzbedrohend für sie werden kann. Dieser steuerliche Effekt betrifft besonders drastisch Freiberufler und Personengesellschaften, da sie ihre Steuererklärung später abgeben können, als Kapitalgesellschaften.

Auch hier hilft uns wieder ein Beispiel, um die Zusammenhänge besser zu verstehen: Ein  Grafiker, nennen wir ihn Thomas, macht sich als Freiberufler selbstständig. In den ersten zwei Jahren hat er nur geringe Einnahmen. Entsprechend niedrig ist die Steuer, die er an das Finanzamt zahlen muss. Doch im dritten Jahr nimmt der Zug an Fahrt auf: Die Auftraggeber geben sich die Klinke in die Hand, die Einnahmen sprudeln – aber die Finanzbeamten wissen davon noch nichts. Weil so viel zu tun ist, reicht Thomas seine Steuererklärung für das Jahr 2017 (das erste wirtschaftlich erfolgreiche Jahr seit der Gründung) erst im Mai 2018 ein. Als er Wochen später seinen Steuerbescheid in Händen hält, bekommt er einen Riesenschreck: Das Amt verlangt eine fünfstellige Summe von ihm:

  1. Die Steuernachzahlung für das Jahr 2017, in dem seine Einnahmen deutlich höher waren, als in den beiden Jahren zuvor.
  2. Die Steuernachzahlung für die ersten Monate des laufenden Jahres, für die ebenfalls noch der zu niedrige Satz angesetzt wurde.
  3. Eine ab sofort geltende, nach oben angepasste Steuervorauszahlung für den aktuellen Monat (und alle Folgemonate).

Wenn Thomas es versäumt hat, die zu zahlende Steuer zurückzulegen, kann es jetzt sehr, sehr eng für ihn werden – obwohl oder gerade weil sich endlich der erhoffte wirtschaftliche Erfolg eingestellt hat.

5. Falsche Prioritäten

Es kommt leider immer wieder vor, dass Gründer schon am Anfang die falschen Prioritäten setzen. Sie geben ihr Geld für Dinge aus, die für das Wachstum ihres Unternehmens gar nicht notwendig sind – und stellen hinterher fest, dass sie die wirklich wichtigen Anschaffungen für ihren Betrieb nicht mehr bezahlen können. Damit dir das nicht passiert, stelle dir vor jeder Investitionsentscheidung die Frage, ob sie für den Betriebsstart unerlässlich ist oder einfach nur „nice to have“.

Ganz oben auf deiner Liste sollten immer die behördlichen Vorgaben stehen, falls es sie für deine Gründung gibt. Wenn dir zum Beispiel das Gesundheitsamt eine bestimmte Ausstattung oder Einrichtung der Räumlichkeiten vorschreibt, solltest du dein Startkapital tunlichst dafür einsetzen, diese Vorschriften zu erfüllen – andernfalls kann dir das Amt den Laden dicht machen, noch bevor du überhaupt angefangen hast.

Was folgt daraus? Tipps für Gründer

Die Beispiele zeigen, dass es unerlässlich ist, deine Liquidität sorgfältig zu planen und für ausreichend Puffer zu sorgen – auch für den Fall, dass deine Geschäfte schneller anlaufen, als gedacht, und du entsprechend mehr Geld brauchst, um Rohstoffe, Waren oder Dienstleistungen vorzufinanzieren.

Investitionsentscheidungen solltest du immer mit Blick auf die aktuelle Unternehmensentwicklung tätigen: Welche Investition ist für den Start bzw. das Wachstum notwendig – und welche lässt sich auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wenn du wieder mehr Geld auf dem Konto hast? Wie gestaltest du die Abschreibung am sinnvollsten, also wann ist der beste Zeitpunkt, um bestimmte Kostenpositionen zu aktivieren und dadurch deine Steuerlast zu mindern? Fragen wie diese solltest du am besten mit deinem Steuerberater klären.

Denk in jedem Fall daran, ausreichend Geld zurückzulegen, falls Steuernachzahlungen zu erwarten sind. Keinesfalls solltest du dieses Geld für den Sommerurlaub oder den neuen Dienstwagen ausgeben. Es gehört dir nicht, auch wenn es auf deinem Konto liegt.

Und noch ein Tipp zum Schluss: Mach dich darauf gefasst, dass die Liquiditätsplanung, die du in deinem Businessplan beschreibst, nur der Anfang ist. Sie wird dich durch dein gesamtes Unternehmerleben hindurch begleiten. Wenn du Monat für Monat deine geplanten mit den realen Ein- und Auszahlungen auf deinem Konto vergleichst und sie entsprechend anpasst, wird deine Liquiditätsvorschau immer realistischer und das Fundament deines Unternehmens dadurch immer stabiler.

Gutes Gelingen dabei wünscht dir

Dr. Jan Evers

Dr. Jan Evers
Über den Autor Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer entwickelt die evers & jung GmbH seit über 15 Jahren Konzepte und Lösungen, die Unternehmern das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtern.

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