Work-Life-Balance im Startup: So bleibst du ausgeglichen

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Gründen in Deutschland? Dazu hören wir immer wieder altbekannte Vorurteile: von Arbeit bis in die Nacht, fehlender Zeit für Freunde und Familie, Strapazen und Stress. Das ist verallgemeinernder Humbug. Das richtige Verhältnis schaffen zwischen Arbeit und Freizeit kann ein Startupper genauso wie ein Arbeitnehmer.

Seit einigen Jahren ist das Wort Work-Life-Balance vermehrt abgekürzt worden. Nur noch von Life-Balance wird häufiger gesprochen – und es ist klar, warum. Das würdigt die sich auflösende klare Trennung zwischen Arbeit auf der einen und „Leben“ auf der anderen Seite.

Evernote’s damalige Europa-Chefin Riesen meinte auf der CEBIT 2014 sogar bereits, es gäbe keine Work-Life-Balance mehr. Das Zeitalter der Work-Life-Integration sei gekommen. Aber wo hat es uns hingeführt?

Digitalisierung und Kommunikation führen zu Erreichbarkeit rund um die Uhr. Oft lässt sich gerade in Internet-Startups von jedem Ort der Welt zuarbeiten. Das 24/7-Modell klingt nach toller Freiheit, führt jedoch auch zu hässlichen Entwicklungen: Wichtige Mails mit der Bitte um rasche Antwort werden am späten Abend verschickt, in Whatsapp-Gruppen werden Firmeninterna zu jeder Tageszeit thematisiert. Ist man nicht am Ball, wird man zukünftig vielleicht anders behandelt. Nach dem Motto: „Der lebt das Unternehmen nicht so wie wir“. Aber womöglich nur, weil er neben der Arbeit noch ein anderes Leben hat.

Du bist der Entscheider

Die gute Nachricht ist, dass du selbst entscheiden kannst. Nicht viele können Arbeitszeiten und Feierabend selbstbestimmt organisieren. Das ist nur einer der vielen Vorteile als Gründer.

Spätestens wenn noch im Bett Unternehmensmails gelesen werden (müssen?), solltest du dich einmal zurücknehmen und bilanzieren. Vermischt hier gerade die Arbeit mit deinem Privatleben – und willst du sie dort haben? Wo sind die Grenzen und musst du überhaupt welche ziehen? Wir meinen: Ja! Und geben Tipps, wie du als Unternehmensgründer Work und Life voneinander trennen kannst.

Feste Regelarbeitszeiten

Rahmen

Bau dir einen festen Rahmen, innerhalb dessen du für die Arbeit aktiv wirst. Wir wissen, dass das Agieren innerhalb dieses Rahmens schwer sein kann. Gerade im ersten Gründungsjahr wird gern bis in den späten Abend durchgepowert und das Wochenende als hilfreiche Zugabe zu den „nur“ 5 Tagen verstanden. Sogar Betten haben sich Unternehmer schon ins Büro gestellt – als wäre es der schönste Ort der Welt, zu jeder Tagesszeit. Doch mit so einem Pensum riskierst du, neben deinem Haussegen, deine Gesundheit.

Setz dir daher zumindest eine Kernarbeitszeit. Nach vorn oder hinten schiebst du dann nach Tagesansprüchen, bleibst aber nicht bis in die Nacht beim Schaffen.

Experimente

Das Schöne bei deiner Rolle als Gründer ist, dass du in keinem starren Korsett gefangen bist. Wenn ein zusammenhängender Arbeitsblock dich nicht glücklich macht – und deine Branche das zulässt – könntest du z.B. eine Zweiteilung ausprobieren. Ein Beispiel: Arbeit von 8 bis 13 Uhr, dann Mittag und Freizeit bis 19 Uhr. Dann wieder bis 22 Uhr durchziehen.

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Zugeständnisse in Maßen

In der Regel wird zu Gunsten der Arbeit das Private vernachlässigt, es ist selten andersherum. Wer hat nicht schon den Satz gesagt: „Schatz, heute wird es später.“ Das ist einfach, denn zuhause steht kein Projekt auf dem Spiel. Der Partner ist ja so oder so da, das Projekt ist einmalig. Das mag stimmen, wenn es sich um die Ausnahme handelt. Wenn das aber zum Dauerzustand wird, wird die Partnerschaft leiden und vielleicht auf dem Spiel stehen.

Wir empfehlen, sich Zugeständnisse an erhöhtes Arbeitsaufkommen in Maßen zu erlauben. Es gibt immer Terminsprints und wenn der Geschäftspartner krank wird, entsprechend mehr zu tun. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, und da sind wir wieder bei Regelarbeitszeiten.

Zeitmanagement

Das Bild des Startup-Gründers, der mit seinen Mitarbeitern Büro-Tischtennis spielt und Club Mate-Wetttrinken veranstaltet, wird von den Medien gern gepflegt. Doch jede Kollegen-Minute im Büro ist eine Familie- oder Freunde-Minute weniger. Das auszubalancieren ist die große Kunst.

Wir haben in diesem Artikel zum Thema Zeitmanagement bereits Multi- und Monotasking beleuchtet, außerdem über Priorisierung der Aufgaben gesprochen. Zu einer effizienten Arbeitsweise gehören Zeitfresser wie die privaten Twitter- und Facebook-Accounts nicht mit dazu. Umfragen zeigen jedoch, dass die halbe Angestelltenwelt mit Büroarbeitsplatz während der Arbeitszeit in den Sozialen Medien unterwegs ist. Muss da denn?

Da kann der Arbeitgeber mit Verboten und Abmahnungen gegensteuern, aber du als Gründer musst dich selbst dirigieren. Lagere das Private in die Pause aus und bekomm den Kopf frei mit Ablenkung. Umso fokussierter gehst du danach wieder an deinen Job.

Fazit

Die Mär vom „selbst“ und „ständig“ muss nicht mehr weitererzählt werden. Eine Balance zu finden, die dich gesund hält, ist möglich. Es bedeutet aber, dass du achtsam sein musst. Für das Wissen um deine eigenen Bedürfnisse (und damit wie du am besten funktionierst), musst du dich intensiv mit dir selbst auseinandersetzen. Das ist auch wieder Arbeit – aber die macht sich doppelt bezahlt. Denn wer abseits der Arbeit Energie tanken kann, wird auf der Arbeit hochperformant schaffen können. Dafür müssen unbedingt Zeitslots geschaffen und dann auch genutzt werden.

Denk auch an deine Führungskraft-Funktion als Beispiel für eine gute Work-Life-Balance. Entsprechend ausgeglichene Mitarbeiter willst du schließlich als Unternehmer auch haben. Zeig ihnen, wie es geht, und der Laden läuft.

Über den Autor
Oliver Bodenhaupt

Oliver Bodenhaupt ist Ansprechpartner für Gründer bei SmartBusinessPlan. Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship und User Experience Design. Nach der Arbeit geht er zum Bouldern in Berlin.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

bhp