Perfektionismus vs. Aktionismus – Was ist besser für deine Gründung und wozu ein Businessplan?

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Gründen ist hart. Für viele ist es die größte Herausforderung ihres Lebens. Der Berg an Aufgaben, die auf einen zukommen, ist massiv und kann sehr einschüchternd wirken.

Diesen Berg kann man nur bezwingen, wenn man sich systematisch und organisiert daran macht, ihn abzuarbeiten. Die Gründung des Unternehmens ist vergleichbar mit dem Bau eines Hauses. Jedes Haus hat seine Eigenheiten. Trotzdem gibt es erprobte Reihenfolgen und Vorgehensweisen, deren Beachtung für ein stabiles Haus sorgen wird.

Um dir mit dieser Herausforderung zu helfen, haben wir den Prozess des Gründens mal unters Mikroskop gelegt und stellen einige Herangehensweisen vor. Findest du dich wieder?

Der Aktionist

Der Klassiker unter den Gründern. Mit dem Antrieb einer super Idee stürzt der Gründer sich mitten ins Getümmel. Alles muss schnell gehen. Es könnte ja jemand auf dieselbe Idee kommen.

Ohne Rücksicht auf Verluste werden Nächte durchgearbeitet und ein Termin nach dem anderen durchgezogen. Natürlich führt eine solche Herangehensweise am schnellsten zum eigenen Unternehmen. Allerdings übersehen viele in ihrem Enthusiasmus, dass ein erfolgreiches Unternehmen auf einem soliden Fundament gebaut ist.

Die Zeit, die du als Gründer in die Planungs- bzw. Gründungsphase investierst, ist niemals verschwendet. Flüchtigkeitsfehler bei der finanziellen Planung können zum Beispiel dazu führen, dass man trotz genialen Idee und gegründetem Unternehmen mit leeren Händen dasteht. Und alles nur, weil man die Lieferkosten des Zulieferers nicht beachtet hat.

Trotz dieser Herausforderungen erarbeitet sich der Aktionist einen entscheidenden Vorteil: Kundenkontakt. Nach einer kurzen Planungsphase zum Beispiel mit einer Business Model Canvas, validiert der Aktionist seine Geschäftsidee im direkten Gespräch mit den Kunden.

Um diesen Vorteil nicht zu verschwenden sollte der Validierung eine solide Finanzplanung folgen. Es muss kein umfangreicher Businessplan sein, aber zumindest den Finanzen sollte die gebotene Aufmerksamkeit gewidmet werden. So kann zu Beispiel ein Businessplan erstellt werden, in dem die inhaltlichen Themen nur kurz umrissen werden und der Finanzplan detailliert dargestellt wird. Das schafft Sicherheit beim weiteren Vorgehen.

Der Perfektionist

Der Gegenentwurf zum aktiven Gründer ist der Perfektionist. Die Liebe zum Detail liegt dem Perfektionisten im Blut. Nichts wird dem Zufall überlassen und es gibt für alles mindestens einen Reserve- und einen Notfallplan.

Der Perfektionist nimmt sich ein Problem nach dem anderen vor. Bevor der Sachverhalt nicht aus jedem Winkel betrachtet und jede Möglichkeit bedacht ist, ruht der Perfektionist nicht. Ein anderes Problem anzugehen, solange das vorhergehende ungelöst bleibt, ist für den Perfektionisten undenkbar.

Diese Herangehensweise sorgt dafür, dass der Perfektionist komplett immun gegen Überraschungen ist. Nichts bringt ihn aus der Bahn, denn er hat ja für alles einen Plan.

Leider liegt in dieser Detailtreue allerdings auch die größte Schwäche des perfektionistischen Gründers: das Fertigwerden.

Seine zumindest zweitgrößte Schwäche ist es Kunden zu treffen und sein Angebot auf realitätsnähe zu prüfen. DAS macht er gerne NACH dem Businessplan und Webseite und alles andere fertig ist. Dann ist es aber oft zu spät rauszufinden, dass Kunden etwas anderes wollen.

So schreibt dieser Gründertyp besonders gern und lang Businesspläne. Da allerdings jedes Thema bis ins Kleinste analysiert wird, büßt der Businessplan seine beiden Hauptfunktionen ein. Funktion Nummer 1 des Businessplans ist es, dem Gründer Planungssicherheit zu bieten. Um diesen Effekt zu erreichen muss man aufpassen, dass man nicht vom hundertsten ins tausendste kommt. Man kann in jedem Bereich des Businessplans Probleme finden, wenn man nur lang genug danach sucht. Die meisten sind allerdings nicht so schwerwiegend, dass sie die Gründung verhindern würden. Durch seinen Anspruch gibt sich der Perfektionist nur mit 100% Fehlerfreiheit zufrieden. Das kostet unnötig Zeit und Nerven.

Der zweite Grund einen Businessplan zu schreiben ist Fremdkapital. Die Vorlage des Businessplans bei Investoren und Banken ist allerdings auch zeitsensitiv. Ewiges Herumfeilen am Businessplan verzögert die Unternehmensgründung unnötig. Des Weiteren schätzen Investoren und Bankberater kurze aber aussagekräftige Businesspläne.

Echte Businesspläne von erfolgreichen Unternehmern

Alles zum Businessplanen gibt es bei uns.

Nun soll es nicht so aussehen, als wären Gründungen generell zum Scheitern verurteilt. Die beiden aufgezeigten Beispiele sind zwei Enden einer sehr langen Skala. Dass ein Mensch genau einem dieser extremen Stereotype entspricht ist sehr selten. Wir alle bewegen uns zwischen den beiden Punkten und tendieren zu einem.  Darin liegt auch die Lösung unseres Problems. Die Balance zwischen Perfektionismus und Zeitplan muss hergestellt werden.

Erreicht man dieses Gleichgewicht erhält man den dritten Typen:

Der fokussierte Perfektionist

Ambition wird zum Antrieb. Perfektion zum Qualitätsstandard. Durch eine gezielte Vorgehensplanung entsteht ein Grundriss, der hilft, die Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Geplante Fokussierung sorgt dafür, dass der Perfektionismus nur an den wichtigsten Stellen eingesetzt wird, sodass er seine volle Wirkung entfalten kann.

Der fokussierte Perfektionismus klingt erst mal sehr utopisch. Doch wie erreicht man diesen Zustand?

Schritt für Schritt!

Nur durch die Aufteilung der Geschäftsidee in ihre wichtigsten Bestandteile erreichst du den Detailgrad, den man zur richtigen Priorisierung braucht.

Fang an, indem du deine Geschäftsidee grob aufteilst. Das kann dann ungefähr so aussehen: Personal, Vertrieb, Marketing (Kleine Anmerkung: Diese Liste ist nicht vollständig oder besonders umsetzbar.) Jetzt nimmst du dir einen Bereich nach dem anderen vor und schaust, was alles damit zusammenhängt. Personal unterteilt sich dann zum Beispiel in Personalbedarf, Mitarbeiterakquise, Personalkosten und Personalmanagement. Dabei fällt auf, dass eine solche klare Abgrenzung nicht möglich ist. Wie du in unserer Grafik siehst, zieht sich das Thema Personal komplett durch deine Gründung.

Graphik Schritt fuer Schritt zum Businessplan

Teil der Kostenplanung im Businessplan sind die geplanten Ausgaben für Mitarbeiter.

Der Perfektionist würde jetzt anfangen, jeden einzelnen Bereich zu optimieren. Der Aktionist würde planen, wen er braucht und wie viel das ungefähr kostet und dabei vergessen, dass er diese Mitarbeiter auch irgendwo herbekommen muss.

In dieser Vernetzung der einzelnen Gründungsbereiche liegt auch die größte Chance, sehr viel Zeit und Aufwand zu sparen. Beginnst du deine Planung nämlich mit den Grundbereichen deines Unternehmens, ergeben sich die Kosten von ganz allein. Das ist sehr viel nachhaltiger als die Kosten erst zu schätzen und dann mit der Detailplanung zu beginnen. SmartBusinessPlan macht dir das Ganze noch viel einfacher, indem die Software z.B. die Zahlen aus deiner Personalplanung automatisch in deine allgemeine Kostenberechnung übernimmt.

Fazit

Ob du nun Perfektionist, Aktionist oder etwas dazwischen bist: Du musst für dich einen Weg finden, wie du am besten an die Unternehmensgründung herangehst. Businesspläne helfen dir Planungssicherheit zu gewinnen und Investoren von deiner Geschäftsidee zu überzeugen. Allerdings klappt das nur, wenn der Businessplan richtig eingesetzt wird.

Tipps für Gründer mit Tendenz zum Aktionismus: Diskutiere deine Business Model Canvas, entwickle daran dein Geschäftsmodell weiter und schreibe dann einen Businessplan, um Sicherheit zu gewinnen. Unsere Beispielpläne helfen dir dabei nichts Wichtiges zu übersehen.

Tipps für Gründer mit Tendenz zum Perfektionismus: Bevor du deinen Businessplan fertigstellst, solltest du deine Idee im direkten Kundenkontakt validieren. Dadurch verhinderst du, dass viel Mühe umsonst ist.

 

Über den Autor
Julius Pankoke

Julius Pankoke ist bei uns für internationales Marketing zuständig. Er schreibt in unserem Gründerblog über Business Development, Existenzgründung und Marketing.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

bhp