Test: Welche Geschäftsidee passt zu dir?

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Die einen haben eine Riesenidee und wollen sofort loslegen. Andere haben so viele Ideen, dass sie nicht wissen, welche sie zuerst umsetzen sollen. Viele vergessen bei allem Enthusiasmus, sich selbst eine entscheidende Frage zu stellen: Ist diese Geschäftsidee das Richtige für mich? 

„Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.“ Das sagte Georg Christoph Lichtenberg, der erste deutsche Professor für Experimentalphysik. Seinen Fingerzeig können sich manche Gründer hinter die Ohren schreiben. Da wird tage- und wochenlang recherchiert, geplant, gefeilt und optimiert, bis aus der Geschäftsidee ein Geschäftsmodell geworden ist und man die Rakete zünden kann.

Vor dem Start das Ziel kennen

Vor dem Start der Rakete unterschlagen jedoch nicht wenige Raketenfahrer, über ihr Tun, über die Sinnhaftigkeit ihrer Unternehmung nachzudenken: Welche Auswirkungen hat das für meinen Werdegang, mein Lebensgefühl? Wenn meine Rakete erfolgreich gezündet hat und ich damit die nächsten Jahre unterwegs bin, werde ich damit zufrieden sein? Was an der ganzen Sache befriedigt mich eigentlich? Ist der Weg zum nächsten Planeten das Reizvolle an der Reise oder das Erreichen des Planeten?

Alexander Keller, Trainer und Coach bei Humans Matter, rät zum Hinterfragen der eigenen Motivation. Er nutzt bei seiner Arbeit mit Gründern und Unternehmern eine einfache Möglichkeit, die eigenen Geschäftsideen abzugleichen mit dem, was man tatsächlich will. Für den Start reicht ein leeres Blatt und ein Stift. Und dann geht es los.

Die allumfassende Frage: Warum?

Im Businessplan schreibst du auf, wie du etwas tust. Jetzt schreibst du auf, warum du überhaupt irgendetwas tun willst. Löse dich für den Moment von deiner aktuellen Geschäftsidee. Da du ja sowieso dein eigenes Ding drehen willst, sollte es so gut wie möglich zu dir passen. Horche in dich selbst hinein: Warum willst du dein eigenes Ding drehen? Was sind deine Antreiber, was ist deine Motivation? Klar ist: Wer selbst hoch motiviert ist, braucht weniger externe Motivation. Seine Arbeit erfüllt ihn.

Fang einfach an, die Worte aufzuschreiben, sie sind nur für dich formuliert und müssen niemandem gefallen.

Hier ein paar Beispiele, was andere Menschen antreiben kann:

  • etwas Kreatives machen
  • etwas machen, dass Spaß macht
  • mit anderen Menschen wirklich gemeinsam an einer Sache arbeiten
  • jedes Jahr neue Orte entdecken
  • Tieren oder Menschen helfen
  • ein Kulturgut in der Gesellschaft bewahren
  • andere vor Schaden bewahren
  • mehr Zeit für die Familie haben
  • 50.000 EUR auf dem Konto haben
  • und vieles andere mehr.

Nimm dir wenigstens 10 Minuten dafür. Viele Menschen haben sich noch nie so intensiv damit auseinandergesetzt, was ihre grundlegende Motivation ist. Mancher Stichpunkt muss vielleicht tief aus der Versenkung geholt werden – das sagt nichts darüber aus, wie wichtig er dir eigentlich ist!

 

Die „Wie-gut-passt-es-Matrix“

Dreh das Blatt um und zeichne eine Tabelle. In die erste Spalte schreibst du jetzt Zeile für Zeile deine einzelnen Motivatoren, die du eben notiert hast. Das „Warum“!
Nach rechts hat die Tabelle so viele Spalten, wie du Geschäftsideen hast. Das Ganze kann dann so aussehen:

  Reiseblog schreiben Daumen-Schlagschutz für Vielnagler Erste-Hilfe-App für Hundebesitzer
neue Orte entdecken      
Tieren helfen      
andere vor Schaden bewahren      

Jetzt erkennst du, wohin dich das führt. Es entsteht eine Bewertung deiner Geschäftsideen auf der Basis dessen, was dich bewegt und motiviert. Normalerweise geht es bei der Existenzgründung nur um Verdienstmöglichkeiten, Umsetzbarkeit, wirtschaftliche Tragfähigkeit. Hier denkst du dein Vorhaben aber von einer anderen Seite: Mit welchem Projekt wirst du am Glücklichsten – Welche Geschäftsidee ist die passende für dich?

 

Bewerte deine eigenen Geschäftsideen

Wenn du alle deine Motivationen und Geschäftsideen eingetragen hast, beginne mit der Bewertung nach dem 10 Punkte-System. 0 bedeutet „passt nicht“ und 10 „passt voll“. In der Tabelle oben würde z.B. deine Erwartung, neue Orte zu entdecken, sehr wahrscheinlich mit dem Schreiben eines Reiseblogs voll erfüllt werden (sofern du genügend Geld für das Reisen aufbringst, z.B. durch Kooperation mit einem Reiseanbieter). Hier könnte eine 10 stehen.

Gehe jede deiner Geschäftsideen Zeile für Zeile durch. Am Ende addierst du die Einzelwerte. Wir haben das einmal plakativ für die Beispieltabelle erledigt.

 

  Reiseblog schreiben Daumen-Schlagschutz für Vielnagler Erste-Hilfe-App für Hundebesitzer
neue Orte entdecken 10 1 2
Tieren helfen 0 0 10
andere vor Schaden bewahren 4 10 5
  14 11 17

Hier kann schon die erste große Überraschung einsetzen. Vielleicht rangiert die eigentlich von dir favorisierte Idee im unteren Punktebereich. Vielleicht merkst du, dass du deine Motivation in einem Produkt viel besser ausleben kannst, was du bisher eher als Notlösung angesehen hast. Die Matrix kann dir zeigen, ob du mit der Umsetzung einer Geschäftsidee deine wahren Interessen und Leitmotive verwirklichen kannst – oder ob das kaum zusammenpasst.

 

Der Realitätscheck

Unter die Summen kommt nun die letzte Zeile, der Realitätscheck. Du brauchst drei Ressourcen, um eine Geschäftsidee umzusetzen. Zeit, Geld und deine eigenen Fähigkeiten werden nun auch mit dem 10-Punkte-System bewertet.

Realität meint dabei den aktuellen Zeitpunkt, denn es geht ja um die zeitnahe Umsetzung einer Idee. Bewerte deine Möglichkeiten, wie du sie jetzt zur Verfügung hast. Im Einzelnen heißt das:

  • Passt mein aktuelles Zeitkontingent, um das Projekt angemessen angehen zu können? (1 = habe keine Zeit dafür, 10 = habe reichlich Zeit für die Umsetzung)
  • Passt meine aktuelle Finanzsituation, um effektiv an dem Projekt arbeiten zu können?
  • Kann ich mit meinen Fähigkeiten alle erforderlichen Tätigkeiten ausführen, um das Projekt umsetzen zu können?

Unsere Beispieltabelle sieht dann schließlich so aus:

 

  Reiseblog schreiben Daumen-Schlagschutz für Vielnagler Erste-Hilfe-App für Hundebesitzer
neue Orte entdecken 10 1 2
Tieren helfen(doppelt) 0 0 10 (20)
andere vor Schaden bewahren 3 10 7
  13 11 19 (29)
Realitätscheck: Zeit / Geld / Fähigkeiten 1/1/10 7/1/8 5/3/8
  25 27 39

Rechne deine Realitätspunkte mit den anderen Punkten zusammen. Hier können sich durchaus die Positionen noch einmal ändern. Mit so einer Tabelle kann dir ein Licht aufgehen. Du wirst ein besseres Gefühl dafür bekommen, mit welcher Geschäftsidee du wahrscheinlich glücklicher sein wirst – weil es deinem Wesen entspricht.

Hinweis: Nicht jede Motivation ist so stark wie eine andere. Du kannst doppelt gewichten, was für dich eine größere Bedeutung hat als anderes. Wir haben das beispielhaft bei der Motivation „Tieren helfen“ getan. Wenn dein Drang, etwas auszuleben, besonders hoch ist, kannst du der Sache so mehr Geltung verschaffen. Am Ende kann dich das zufriedener machen.

 

Fazit

Mit einer halben Stunde Aufwand gibt dir die „Wie-gut-passt-es-Matrix“ zunächst Einblick in deine Eigenmotivation. Damit bist du schon einen Schritt weiter als viele Menschen um dich herum, die sich diese Fragen niemals stellen. Außerdem findest du heraus, welche deiner Geschäftsideen am besten zu dir passen. Der Realitätscheck kann am Ende nochmal alles umwerfen oder dir den entscheidenden Hinweis geben, von welcher Ressource du mehr benötigst, um dein Traumprojekt zu verwirklichen.

Nach der Gründung brauchst du immer einen langen Atem. Der Aufbau eines erfolgreichen Business ist eher ein langfristiges Projekt. Wenn du dabei von deiner eigenen Motivation getrieben wirst – und genau die hast du mit der Matrix festgehalten – hast du mit deinem Projekt große Chance auf Erfolg.

 

Über den Autor
Oliver Bodenhaupt

Oliver Bodenhaupt ist Ansprechpartner für Gründer bei SmartBusinessPlan. Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship und User Experience Design. Nach der Arbeit geht er zum Bouldern in Berlin.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

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bhp