Business Model versus Business Plan – was hilft wann weiter?
Dr. Jan Evers | August 18, 2014

Verdrängt das Business Model den Business Plan? Was bringt mich als Gründer weiter? Was wollen Banken sehen? Dieses Thema wird gerade landauf landab von Experten kontrovers diskutiert. Meiner Meinung nach liegen Business Model und Business Plan gar nicht so weit voneinander entfernt, wie das häufig zum Ausdruck gebracht wird.

Unter Business Modeling versteht man Methoden und Instrumente, mit denen man an seiner Geschäftsidee und seinem Geschäftsmodell (Business Model) arbeiten kann.

Die Methode des Business Modeling kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn es um ein komplexeres Geschäftsmodell geht, das in einen breiten Markt eingeführt werden soll. Einen Kundenutzen darüber zu schaffen, dass ein verbreitetes, quälendes Problem der Zielgruppe gelöst wird, gilt hier als zentral.

Um ein Business Model zu entwickeln:

  • …werden Leinwände mit echten oder digitalen Post-Its beklebt („Business Canvas„), um so die Architektur der Wertschöpfung – vor allem das Zusammenspiel von Partnern in den verschiedenen Stufen der Leistungserstellung zu modellieren.
  • …wird die Dienstleistung so lange verändert und reduziert bis ein neuer einzigartiger Kern herauskommt („Design Thinking“).
  • …werden die Key Performance Indicators (KPI) definiert und empirisch überprüft (zum Beispiel: Was kostet es, einen Kunden im Internet zu gewinnen und wie viel verdienen wir über einen längeren Zeitraum an ihm).

Typisch für Business Modelling ist es, mit neuen Markteintrittssystemen („Freemium“), neuen Bezahlsystemen (digitale Abo-Modelle) oder neuen Partnerschaften eine Geschäftsidee sehr grundsätzlich zu durchdenken und massentauglich („skalierbar“) zu machen.

Nicht nur lesen!
Sondern selbst anpacken! Mach aus deiner Geschäftsidee etwas Großes!

Business Model statt Business Plan?

Aber wofür brauchen wir dann noch den Business Plan? Hat der gute alte Geschäftsplan ausgedient? Ich würde sagen: Im Gegenteil. Aus folgenden Gründen:

  • Durch die fokussiertere Betrachtungsweise enthält ein Geschäftsmodell zwangsläufig nicht alle Informationen, die üblicherweise aus einem Businessplan hervorgehen sollen.
  • Wenn Banken, öffentliche Geldgeber oder auch private Investoren nur Ausschnitte zu sehen bekommen, können sie nicht beurteilen, ob eine Gründung funktioniert und was von ihnen finanziell erwartet wird. Auch sie brauchen ein Gesamtkonzept.
  • Elemente wie eine Liquiditätsplanung sind in der Nachgründungsphase überlebenswichtig. Sie sollten von Anfang an mitgedacht werden.

Die neuen Denkansätze und Tools rund um das Business Model zeigen also Potenziale auf, Gründungen tragfähiger, ehrgeiziger und systematischer zu machen, wo der bisherige Businessplan Lücken aufweist. Aber sie sind bisher nicht kompatibel mit der üblichen Förder- und Finanzierungsstruktur in Deutschland – Banken und öffentliche Förderer erwarten einen Businessplan.

Fassen wir die Vorteile zusammen:

Der Business Plan hilft:

  • eine Idee zu Ende zu denken
  • sie mit Zahlen auf ihre Belastbarkeit zu prüfen
  • diese Klarheit in Zahlen und Worten zu nutzen um andere davon zu überzeugen: Zuschussgeber, Kreditgeber, Eigenkapitalgeber.

Das Business Model hilft:

  • Eine Idee von Beginn an marktorientiert und praxisnah zu entwickeln
  • sie mit Freunden, Experten und vor allem Kunden über die Visualisierung diskutierbar zu machen
  • so die Stärke einer Idee zu prüfen und zu belegen.

Für ehrgeizige und komplexe Gründungen wäre also eine Verbindung der beiden Toolwelten optimal: Erst über das Business Model eine gute Geschäftsidee entwickeln, und diese dann in einem Business Plan verschriftlichen und durchrechnen.

Canvas SmartBusinessPlan

Business Model UND Business Plan

Wie das gehen könnte, diskutieren wir aktuell mit Experten. Im Herbst wird es dazu deutschlandweit ein paar spannende Veranstaltungen geben. Melde Dich über das Kontaktformular, wenn Du eingeladen werden willst.

Außerdem haben wir uns für Euch einige Tools angesehen und empfehlen Euch hier:

  1. runpat: Ein anwenderfreundliches und praktisches Instrument, um Geschäftsmodelle von der ersten Idee an umfrangreich zu entwickeln. Ähnlich wie SmartBusinessPlan browserbasiert, hilft die Anwendung, die Idee griffig und verständlich zu visualisieren und begleitet die Entwicklung eines Geschäftsmodells. Deutlich breiter und grundlegender als eine Leinwand. Sehr gut geeignet, um Wertschöpfungsketten, das Zusammenspiel von unterschiedlichen Akteuren und Vertriebsprozesse darzustellen und dann diese Grafiken in SmartBusinessPlan zu integrieren.
Dr. Jan Evers
Über den Autor Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer entwickelt die evers & jung GmbH seit über 15 Jahren Konzepte und Lösungen, die Unternehmern das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtern.

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