Diese Tipps solltest du kennen, wenn du eine Bank eröffnen oder ein FinTech-Unternehmen gründen willst

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Die FinTech-Branche in Deutschland boomt. Seit Jahren verzeichnet sie hohe Wachstumsraten. Das macht sie auch für Gründer sehr interessant.

Alle, die in diesen Markt einsteigen wollen, können sich bei Karl Matthäus Schmidt wertvolle Anregungen holen. Er hat in seinem Leben schon zwei Banken gegründet – und mit quirion den ersten Robo-Advisor in Deutschland. Bei jeder Gründung hat er einen neuen Trend im Banking antizipiert. Wie fühlt es sich an, eine Welle früh zu erwischen?

Im Rahmen des Labor X im November 2017 habe ich in Hamburg ein Video-Interview mit Karl Matthäus Schmidt geführt, das ihr euch auf Youtube in ganzer Länge anschauen könnt. Die wichtigsten Aussagen des Gesprächs haben wir in diesem Blogbeitrag für euch zusammengefasst.

Karl Matthäus Schmidt...
... über die Gründung seiner ersten Bank

Online und in Echtzeit an der Börse zu handeln, ist heute für viele selbstverständlich. Anfang der 1990er-Jahre war das noch Zukunftsmusik. Wer Wertpapiere kaufen oder verkaufen wollte, musste sich an seine Bank wenden. Die verlangte eine recht hohe Provision und bot dafür einen „lausigen Service“, wie Karl Matthäus Schmidt es beschreibt: Es dauerte ewig, bis eine Order bearbeitet wurde, und als Kunde bekam man von der Bank so gut wie keine Informationen über das Handelsgeschehen.

Darüber ärgerte sich Karl Matthäus Schmidt, der schon als Student einem Börsenverein beigetreten war und sich intensiv mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten auseinandersetzte. Er beschloss, selbst ein Angebot zu entwickeln, das es Endkunden ermöglichte, eigenhändig an den Börsen aktiv zu werden: Die Consors-Bank war geboren. Deren Gründungsidee war es, die Börse zu demokratisieren.

1994 gründete Karl Matthäus Schmidt das Unternehmen Consors als Teil der SchmidtBank. Fünf Jahre später verwaltete die Bank 450.000 Kundendepots und expandierte in die Schweiz, nach Frankreich, Italien und Spanien.

Dabei war es für Schmidt durchaus von Nutzen, aus einer alten Bankiersfamilie zu stammen. „Das hilft natürlich“, gibt er auf meine Nachfrage offen zu. „Wir haben Consors zunächst als eigene Marke innerhalb der SchmidtBank gegründet. Erst später haben wir eine eigene Bank daraus gemacht. Von daher hatte ich gute Startvoraussetzungen.“

Die SchmidtBank war eine private deutsche Regionalbank in Nordbayern, Sachsen und Thüringen. Sie wurde 1828 gegründet und existierte bis 2005.

Um den ersten Online-Wertpapier-Broker Deutschlands aufzubauen, konnte er auf die vorhandenen Strukturen der elterlichen SchmidtBank zurückgreifen. Dadurch blieb es ihm u. a. erspart, eine Banklizenz zu beantragen, was mit hohen Hürden und einem mitunter enormen zeitlichen Aufwand verbunden ist.

Jeder, der in Deutschland Finanz- oder Bankdienstleistungen anbieten möchte, benötigt dafür eine amtliche Genehmigung. Im Falle einer Banken-Neugründung wird von einer Banklizenz gesprochen. Je nach Geschäftsmodell muss man dafür mindestens 730.000 Euro, bei Einlagenkreditinstituten sogar mindestens fünf Millionen Euro Anfangskapital nachweisen. Ansprechpartnerin ist die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).

Der junge Gründer konnte sich stattdessen gleich in die Umsetzung seiner Geschäftsidee stürzen. Eine der größten Herausforderungen seines Geschäftsmodells lag darin, die Trading-Prozesse so zu gestalten, dass sie sich für den Online-Aktienhandel eigneten und sie zugleich so einfach waren, dass jeder sie verstand. Rückblickend erinnert Schmidt sich, dass er zwar mit großer Motivation, aber eben noch unerfahren  an diese Aufgabe herangegangen sei: „Ich war ein junger Mensch, der eigentlich noch keine Ahnung hatte.“ Aber er hat sich nicht entmutigen lassen und sich beharrlich in die Materie eingearbeitet.

Offenbar sehr erfolgreich, wie sich noch zeigen sollte. Allerdings stellte sich der Erfolg keineswegs sofort und schon gar nicht von selbst ein. Im Interview beschreibt Schmidt die ersten drei Jahre nach der Gründung der Consors-Bank als „wirklich brutal.“ Die Idee einer Direkt-Bank, über die der Kunde seine Aktiengeschäfte tätigen konnte, war derart neu, dass zunächst kaum jemand diesen Service nutzen wollte.

Bis der große Börsenboom kam und das Handeln mit Wertpapieren populär wurde. Nicht zuletzt der Börsengang der Telekom machte Aktiengeschäfte in Deutschland zum Volkssport. Erste Wettbewerber stiegen in den Markt ein und lösten eine regelrechte Trading-Welle aus, auf der die junge Consors-Bank erfolgreich mitschwamm.

Notebook zeigt Börsenkurse im Verlauf

Trading von zu Hause aus, einfach mit einem Computer: Hier war Schmidt Vorreiter.

Karl Matthäus Schmidt...
... über seinen ersten Rückschlag

Doch schon wenige Jahre später machte Schmidt der große Börsencrash einen Strich durch die Rechnung. Ausgerechnet, als sein Unternehmen in einer extremen Investitionsphase steckte, brachen plötzlich 40 Prozent der Erträge weg! Tiefgreifende Umstrukturierungen waren die Folge. Filialen mussten geschlossen und Mitarbeiter entlassen werden. „Das war eine höchst unangenehme Situation“ erzählt Schmidt, was seine damalige Gemütslage vermutlich stark beschönigt.

Zumal gleichzeitig das elterliche Bankhaus in Schwierigkeiten geriet und letztlich pleiteging. Im Zuge dessen wurden viele Unternehmen der SchmidtBank-Gruppe verkauft, darunter die Consors-Bank, die an das französische Unternehmen PNB Paribas ging. Schmidt stand vor dem Nichts. Als „ein Leben wie im Zeitraffer“ bezeichnet er seine damalige Berg- und Talfahrt.

Karl Matthäus Schmidt...
...über die Gründung seiner zweiten Bank

Doch welche Lehre zog Schmidt daraus? Aufgeben? Eine sichere Karriere als Angestellter eines großen Bankhauses anstreben? Nein, schon 2005 eröffnete Schmidt wieder ein Bank, und wieder mit einem absolut neuartigen und einzigartigen Konzept: Die Quirin Privatbank war die erste Bank in Deutschland, die auf Provisionen verzichtete und stattdessen Honorare von ihren Kunden für die Beratung nahm.

Die Quirin Privatbank AG ist eine deutsche Privatbank mit Sitz in Berlin und zwölf weiteren Standorten in Deutschland. Sie ist Deutschlands erste Bank, die sich nicht durch  Provisionen finanziert, sondern auf festgelegte Beratungshonorare setzt (unabhängige Beratung gegen Honorar).

Karl Matthäus Schmidt räumt ein, dass er nach der Krise der SchmidtBank und dem Verkauf von Consors durchaus Zweifel hatte, ob er sich tatsächlich wieder in den Aufbau einer Bank stürzen sollte. Aber seine Faszination für Banking und Börse waren größer als seine Bedenken. Hinzu kam eine ordentliche Portion Idealismus: „Mich treibt schon an, Deutschland zu einem besseren Ort für Anleger zu machen“, so Schmidt auf meine Frage, warum es denn um Himmels willen schon wieder so ein dickes Brett sein musste.

Und er fügt schmunzelnd hinzu, dass – wie schon beim ersten Mal – eine gewisse Naivität im Spiel war: „Wenn man als Gründer wüsste, was alles auf einen zukommt, dann würde man nie anfangen. Ich denke, wenn man als Unternehmer zu sehr auf das Für und Wider schaut, dann wird das nie was! Dann sieht man ja die ganzen Risiken und Probleme. Manchmal muss man einfach anfangen und machen.“

Zu den Problemen, von denen Karl Matthäus Schmidt anfangs noch nichts ahnte, gehört die große Finanzkrise, die das Vertrauen der Menschen in den Bankensektor schwer erschütterte.

Die Finanzkrise ab 2007 war eine globale Bankenkrise im Zuge der Weltwirtschaftskrise, ausgelöst durch das Platzen der Immobilienblase in den USA.

Mittelfristig hat diese Krise aber womöglich den Boden für den heutigen Erfolg der Quirin Privatbank geebnet, wie diese Erfahrung von Karl Matthäus Schmidt vermuten lässt: „Vor der Krise mussten wir länger unser Geschäftsmodell erklären, dafür waren die Leute offener, etwas auszuprobieren. Nach der Krise haben alle sofort unser Geschäftsmodell verstanden, aber dafür wollten sie erstmal nichts mehr anlegen.“

Das hat sich inzwischen geändert. Heute ist die Quirin Privatbank mit 10.600 Kunden und 3,3 Milliarden Euro angelegtem Vermögen längst profitabel. Was für Schmidt natürlich kein Grund ist, sich zurückzulehnen: „Unser Ziel ist es, 15.000 bis 20.000  Kunden zu erreichen. Da liegt noch etwas Arbeit vor uns.“

Skyscraper-Gebäude von Banken

Hat Schmidt hier auch bald sein eigenes Häuschen?

Karl Matthäus Schmidt...
... über seinen jüngsten Coup

Mit dem Ziel, vor allem eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, hat Karl Matthäus Schmidt 2013 schließlich das Fintech-Startup quirion gegründet. Für ihn ein logischer Schritt, kann er so endlich seine Online-Erfahrung voll und ganz einbringen, die schon bei Consors eine wichtige Rolle spielte.

quirion ist eine Marke der Quirin Privatbank. Sie bietet ihren Kunden eine digitale Vermögensverwaltung zu günstigen Konditionen an.

quirion ist ein sogenannter Robo-Advisor. Das bedeutet, dass das Geld der Anleger automatisch und computergestützt an den Börsen angelegt wird. Professionelle Vermögensverwalter arbeiten zwar schon lange mit derartigen Softwareprogrammen, aber das Besondere ist, dass sie nun auch für Kleinanleger und Endkunden verfügbar sind.

Der Begriff Robo-Advisor setzt sich aus den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater) zusammen. Mithilfe von automatisierten Prozessen wird das Geld der Kunden angelegt und verwaltet.

Karl Matthäus Schmidt ist von diesem Ansatz überzeugt: „Ich habe in meinem Leben viel getradet, mehr als 34 Jahre Erfahrung, und ich weiß: Kein Mensch schlägt den Markt. Es macht keinen Sinn, zu zocken.“

Hinzu komme, dass der Kunde bei den modernen digitalen Vermögensverwaltungen „eine Super-Qualität zu einem Bruchteil der Kosten“ bekomme, die bei traditionellen Vermögensverwaltern anfallen.

Karl Matthäus Schmidt...
... über den Hype um FinTech und Robo-Advice

Karl Matthäus Schmidt sieht im FinTech-Markt im Allgemeinen und im Robo-Advice-Sektor im Besonderen enormes Potenzial. Die Zielgruppe sei riesig, zumal die deutschen Anleger im internationalen Vergleich überdurchschnittlich offen gegenüber Online-Services seien. Große Wettbewerber stünden in den Startlöchern oder seien bereits mit hohen Summen in den Markt eingestiegen – eine Entwicklung, die Schmidt keineswegs mit Sorge, sondern eher mit froher Erwartung beobachtet, weiß er doch längst, dass mehr Wettbewerber auch mehr Aufmerksamkeit und dadurch letztlich mehr Kunden bedeuten können: „Das wird den Markt größer machen, und das braucht es auch.“

Und was rät Karl Matthäus Schmidt anderen Gründern, die heute – inmitten des aktuellen Fintech-Hypes – mit ihrer Idee an den Start gehen wollen? Wie sollen sie damit umgehen? Ganz klar: „Voll mitmachen! Man lebt nur einmal. Und wer eine Idee hat, sollte sie ausprobieren. Eins kann ich sagen: Wenn so eine Welle da ist, sollte man sie nutzen. Diese Chance hat man nur jetzt, und nicht in fünf Jahren.“

Dem kann ich mich nur anschließen und wünsche allen Gründern den Mut, sich auf das Abenteuer Selbständigkeit einzulassen und die Chancen zu ergreifen, die sich ihnen bieten!

 

Viel Erfolg dabei wünscht Euch:

Dr. Jan Evers

Über den Autor
Dr. Jan Evers

Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer entwickelt die evers & jung GmbH seit über 15 Jahren Konzepte und Lösungen, die Unternehmern das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtern.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

bhp