Selbstständig als Handwerker

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Nach Jahren oder sogar Jahrzehnten als Angestellter kommt für viele Handwerker der Moment, sich mit der Selbstständigkeit auseinanderzusetzen. Mit der erworbenen Erfahrung und dem nötigen Können ist das nur der natürliche nächste Schritt. Doch ohne vorherige Kenntnisse über die Gründung und Führung eines Unternehmens kann der Traum vom selbstbestimmten Arbeiten ganz schnell zum Albtraum werden. Um genau das zu verhindern, haben wir für dich einige der wichtigsten Punkte auf dem Weg in die Selbstständigkeit untersucht: Hier ist unser Überblick.

Motivation

Bevor wir uns mit den unternehmerischen Details der Gründung auseinandersetzen, solltest du mit dir selbst ins kritische Gespräch gehen. Denn um ein erfolgreicher Unternehmer im Handwerk zu sein, bedarf es der richtigen Motivation. Warum willst du selbstständig werden? Willst du wirklich etwas Eigenes aufbauen oder nur dein eigener Chef sein? Viele gründungsinteressierte Handwerker unterschätzen nämlich die diversen Herausforderungen und Anforderungen, die ein selbstständiger Handwerker erfüllen muss. Wenn das Ganze also nur ein Weg ist, vom anstrengenden Chef wegzukommen, ist vielleicht ein Unternehmenswechsel sinnvoller für dich als die Selbstständigkeit.
Du solltest prüfen, ob du überhaupt eine Unternehmerpersönlichkeit bist. Mit diesem Test kannst du zum Beispiel bestimmen, ob eine oder mehrere der drei wichtigsten Unternehmereigenschaften in dir steckt. Dein Ergebnis sollte eine gesunde Mischung aus allen drei Eigenschaften sein. Merkst du, dass du nur zwei dieser Aspekte erfüllst und in einem ein wenig schwächelst, solltest du das bei deiner Planung berücksichtigen und jemanden finden, der deine Schwäche ausgleicht.
Damit ist deine Motivation geklärt. Nun gilt es noch zu ermitteln, ob und in welcher Form dein Unternehmen überhaupt gebraucht wird. Eine gute Methode zur Ermittlung dessen ist es, sich einfach mal auf dem anvisierten Markt umzuschauen. Welche Systeme und Trends funktionieren? Nutzt meine Idee diese Trends? Oft übersehen werden Franchisesysteme. Gut laufende Franchises sind immer ein Indikator für einen gesunden Markt und sind es wert, angeschaut zu werden.

Meisterbrief und Zulassung

Nicht jeder Handwerker kann einfach so selbstständig arbeiten. Grundsätzlich ist hier zwischen zulassungspflichtigen und zulassungsfreien Handwerken zu unterscheiden.

Mit Hilfe der Handwerksordnung  (HwO) kannst du herausfinden, ob dein Handwerk zulassungspflichtig ist. In Anlage A sind alle Handwerke gelistet, die einer Zulassung bedürfen.

Doch was genau sind zulassungspflichtige Handwerke? Dabei musst du dein Gewerbe in die Handwerksrolle deiner zuständigen Handwerkskammer eintragen lassen. Dafür benötigst du einen Meisterbrief des entsprechenden Handwerks.
Hinweis: Es gibt Ausnahmeregelungen bei der Meisterpflicht, die die Eintragung des Gewerbes ohne Meisterbrief erlauben. Informiere dich über die Regeln für eine Ausnahmebewilligung deines Handwerks in der HwO.

Schließlich folgt nur noch die formale Eintragung als ein Gewerbe, bei der der Gewerbebetrieb bei der zuständigen Behörde angemeldet wird.

Der Businessplan

Wie bei jeder guten Existenzgründung ist ein Businessplan immer sinnvoll. Denn dieser hilft dir ganz grundlegend, deine Geschäftsidee von vorne bis hinten durchzuplanen. Denn selbst, wenn du Jahre der Erfahrung als Mitarbeiter mitbringst, wirst du nicht in jedem Gebiet gleich ein Spezialist sein. Wenn dir der Businessplan als Einstieg zu mächtig ist, kannst du auch zunächst eine Business Model Canvas ausfüllen. Durch die vorgegebenen Schlüsselfaktoren stellt diese sicher, dass du dich mit allen wichtigen Bereichen deines Unternehmens auseinandergesetzt hast. Der Vorteil ist, dass alle Faktoren auf das Wichtigste verknappt werden. Das hilft dabei, das Geschäftsmodell zu erarbeiten. Auf dieser Grundlage fällt das Schreiben des eigentlichen Businessplans dann auch deutlich leichter.

Die Wahl der richtigen Geschäftsform sollte anhand des Businessplans erfolgen. Informiere dich eingehend über Haftungsregeln und andere Besonderheiten der verschiedenen Rechtsformen. Bist du dir dennoch unsicher, kannst du dich hierzu von einem Spezialisten beraten lassen.

Willst du dein Unternehmen durch einen Bankkredit finanzieren, ist der Businessplan Pflicht. Die Bank prüft dann anhand deiner Finanzplanung, ob dein Geschäftsmodell erfolgsversprechend ist. Besondere Sorgfalt solltest du also dem Finanzteil deines Businessplans zukommen lassen, da dieser das meiste Gewicht für deinen Bankberater hat.

Da es im Handwerk schnell zu Verzögerungen von Zahlungen kommen kann, ist es wichtig, dass du über entsprechend große Liquiditätsreserven verfügst, die im Falle eines Zahlungsausfalls die Kosten auffangen können. Diese Reserven kannst du zum Beispiel über einen Kontokorrentkredit erhalten.

Neben dem Finanzplan sollte aber auch der restliche Teil des Businessplans sauber ausgearbeitet werden. Dafür kannst du dich zum Beispiel daran orientieren, welche Dinge in der Regel zum Scheitern von ähnlichen Unternehmen führen. Das sind Dinge wie die eingangs angesprochene falsche Motivation, Widerstand gegen Modernisierung der Unternehmensverwaltung oder fehlende Fähigkeiten im Bereich Buchhaltung. Zu spät oder falsch gestellte Rechnungen haben schon so manchen Handwerksunternehmer in Teufels Küche gebracht.

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Mitarbeiter vs. Eigenleistung

Viele Handwerker machen sich selbstständig, um selbst bestimmen zu können, wie und an was sie arbeiten. Doch auch selbstbestimmte Arbeit bleibt Arbeit und muss erledigt werden. Hier kannst du zwischen zwei Varianten wählen. Entweder du machst sämtliche Arbeit selbst oder du stellst Mitarbeiter ein und leitest diese an. Beide Herangehensweisen haben jeweils Vor- und Nachteile.

Eigenleistung: Der große Vorteil bei der Einzelarbeit ist, dass du für alles selbst verantwortlich bist und deinen Qualitätsstandard einfach einhalten kannst. Du musst keine Zeit verschwenden, um dich mit den Fehlern anderer Leute auseinanderzusetzen. Doch neben dieser Freiheit bist du auch für sämtliche Fehler verantwortlich und wirst dafür geradestehen müssen.

Auch begrenzt du die maximale Anzahl der Aufträge, die du annehmen kannst. Denn selbst der fleißigste selbstständige Handwerker kann nur ein bestimmtes Pensum an Arbeit leisten. Leider überschätzen sich viele Selbstständige hier und setzen sich dadurch der Gefahr unzufriedener Kunden und eines Burnouts aus. Es empfiehlt sich hier besonders die Verwaltung deines Unternehmens an einen Dienstleister auszulagern. So kannst du dich voll und ganz aufs Geschäft konzentrieren.

Mitarbeiter: Angestellte Mitarbeiter bedeuten, dass dein Unternehmen an mehreren Stellen gleichzeitig Geld verdienen kann. Das Auftragslimit ist allein durch die Größe deines Unternehmens und deren Verwaltungskapazität begrenzt. Durch Mitarbeiter mit anderen Fachrichtungen kannst du Aufträge ergänzen oder sogar solche akquirieren, für die dir allein die Expertise fehlen würde. Die Kehrseite der Medaille ist der Verwaltungs- und Kontrollaufwand. Deine Mitarbeiter brauchen Führung und müssen mit allem versorgt werden, was sie brauchen, um ihren Auftrag erfolgreich durchzuführen. Dafür muss man auch die richtige Persönlichkeit sein, denn seine Mitarbeiter richtig motivieren kann nicht automatisch jeder. Motivierte Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter.

Selbst der am besten geführte und motivierte Mitarbeiter wird allerdings Fehler machen. Diese fallen dann zwangsläufig auf dein Unternehmen und dessen Ruf zurück. Das kann zu Ärger mit dem Kunden und eventuell sogar zu Ersatzansprüchen führen. Du solltest ein System für Qualitätskontrolle einführen, um solche Situationen von Anfang an zu vermeiden.

Auftragsmanagement

Auftragsmanagement ist das A und O für dein neues Unternehmen. Hast du zu wenig Aufträge, kannst du deine fixen Kosten nicht decken und machst Verlust. Hast du zu viele Aufträge, leidet die Qualität der Arbeit und es kann Chaos in der Organisation entstehen.  Du wirst einen großen Teil deiner Zeit mit Auftragsmanagement verbringen. Dazu gehören Akquise, Verhandlung, Durchführung, Qualitätskontrolle und Buchführung. Je größer dein Unternehmen wird, desto mehr Steuerungszeit werden diese Aufgaben verschlingen. Du wirst an einen Punkt kommen, an dem du es nicht mehr alleine schaffen kannst. Am besten siehst du diesen Punkt voraus und arbeitest jemanden ein, der diese Aufgaben übernehmen kann, bevor die Überforderung entsteht.

Eine gute Auftragslage sollte dich niemals dazu bringen, bequem zu werden. Es kann jederzeit ein Kunde abspringen oder die Akquise ergebnislos verlaufen. Du solltest also immer einen gewissen Puffer an Aufträgen haben, um Unvorhergesehenes auszugleichen. Der beste Auftrag ist einer, der in regelmäßigen Abständen wiederkehrt und somit gut planbar ist. Diese Art Aufträge dienen dir als eine konstante Umsatzquelle und reduzieren etwas den Akquisedruck. Aber Vorsicht: Mach dich nicht nur von einem Auftraggeber abhängig. Sollte dieser nämlich seinen Auftrag zurückziehen, stehst du ohne Arbeit da und musst den Laden zu machen. Viele Unternehmen sind so schon zu Subunternehmen geworden und daran zugrunde gegangen. Achte also darauf, dass kein Auftrag zu viel deines Volumens einnimmt, sodass du im Falle eines Falles andere Aufträge hast, auf die du zurückfallen kannst.

Gründungsberatung

All diese Punkte können regelrecht überwältigend sein, vor allem, wenn man keine Erfahrung als Gründer hat. Es ist jedoch nicht nötig, dass du all alles allein lernst und durchführst. Es stehen dir mehrere Stellen zur Verfügung, an die du dich wenden kannst, wenn du einmal nicht weiterkommst. Am einfachsten ist natürlich, das Internet als Anlaufstelle für die Informationseinholung zu nutzen. Es gibt für so gut wie jeden Bereich Communities, in denen du deine Fragen stellen und um Rat bitten kannst.

Ist ein Problem auf diesem Weg nicht zu lösen – oder zu wichtig, um auf die Meinung von Unbekannten im Internet zu bauen – steht dir noch die Gründungsberatung zur Verfügung. Deine zuständige Handwerkskammer bietet in der Regel eine solche Beratung an. Diese sind aber meist eher dazu ausgelegt, bei konkreten Problemen zu helfen. Willst du hingegen Feedback, wäre ein Austausch mit Gleichgesinnten empfehlenswert. Suche Kontakt zu Handwerkern, die auch gerade gründen oder schon gegründet haben. So könnt ihr dann eure Erfahrungen teilen und euch gegenseitig unterstützen. Hier kannst du dir wichtiges Feedback zur Umsetzbarkeit deiner Idee einholen und verhindern, dass du dich verhebst.

In jedem Bundesland gibt es zusätzlich staatlich gefördertes Gründercoaching durch einen lokalen Partner. Diese Beratungen sind entweder ganz kostenlos oder zumindest durch staatliche Mittel gefördert. Verschaffe dir einen ersten Überblick, welche Angebote es in deiner Nähe gibt.

Natürlich steht dir auch die Möglichkeit offen, eine kommerzielle Unternehmensberatung in Anspruch zu nehmen, wobei diese durchaus etwas mehr kosten können. Vergleiche hier Internetbewertungen und Preise, um die beste Beratung für dein Geld zu erhalten.

Fazit

Zugegebenermaßen sind im Text viele Warnungen vor dem Scheitern dabei. Das liegt aber einfach daran, dass das Handwerk sehr viele Möglichkeiten zum Scheitern parat hält. Gründer, die hier mit der falschen Motivation herangehen, haben kaum eine Chance und riskieren Insolvenz und hohe Verschuldung. Jenen, die es allerdings aus den richtigen Gründen und mit der richtigen Vorbereitung machen, bietet die Selbstständigkeit ein immenses Potential. Der Handwerksmarkt ist gesund und mit der korrekten Strategie kann man hier sehr erfolgreich und wohlhabend werden. Als finale Empfehlung bleibt noch zu sagen: Mach erstmal ein paar Fortbildungen im Bereich Gründen und Management. Dafür musst du deinen Job nicht kündigen, kriegst aber schon mal ein Gefühl dafür, ob dir auch die Aspekte nicht-handwerklicher Natur liegen. So kannst du dann mit ruhigem Gewissen und einer Menge Gründungswissen in deine Selbstständigkeit starten.

Über den Autor
Julius Pankoke

Julius Pankoke ist bei uns für internationales Marketing zuständig. Er schreibt in unserem Gründerblog über Business Development, Existenzgründung und Marketing.

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bhp