Investment von den Löwen, der Crowd oder der Sparkasse – Finanzierungsformen im Vergleich

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„Stirb, bevor du Geld von Arschlöchern annimmst.“ „Die-Höhle-der-Löwen“–  Juror Frank Thelen findet deutliche Worte dafür, wie wichtig es ist, den richtigen Investor zu finden… Anlässlich der gerade angelaufenen zweiten Staffel von DHDL haben wir uns den Spaß gemacht, einige Finanzierungsformen (darunter das fancy DHDL-Investment) mal genauer unter die Lupe zu nehmen: TV-Casting-Show mit nervigen Typen und Adrenalin-Garantie? Schwarmfinanzierung der anonymen Masse? Oder doch lieber der gute alte Sparkassen-Kredit?

Ob Thelen und seine Löwen-Kollegen also die richtigen Investoren für dein Gründungsvorhaben wären, findest du ganz leicht heraus – mit unserer übersichtlichen Tabelle – Zeit ist Geld:

  DHDL-Investment (oder andere VCs und Business Angels) Crowdfunding Sparkassen-Kredit (repräsentativ für alle Bankkredite)
Worum geht’s? In der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ pitchen Gründer vor einer Investoren-Jury. Gelingt es den Kandidaten, einen oder mehrere “Löwen” zu überzeugen, bekommen sie von ihnen Geld für ihre Vorhaben. Beim Crowdfunding handelt es sich um eine sog. Schwarmfinanzierung: Startups oder einzelne Projekte werden durch eine große Menge an kleineren Investoren finanziert. (Zur Unterscheidung unterschiedlicher Formen des Crowdfunding s.u.) Die Sparkassen sind bodenständiger Finanzierungspartner Nummer 1 des deutschen Mittelstands. Sie unterstützen Gründer mit individuellen Kreditangeboten und persönlicher Rundumberatung in jeder Phase der Gründung.
Wie lange dauert die Entscheidung? In der Sendung zumindest sehr kurz. Von der Erstvorstellung bis zur Entscheidung dauert es 1-2 Stunden. Allerdings kennen wir das Auswahlprozedere nicht genau. Vermutlich bewerben sich die Gründer mehrere Wochen vor der Ausstrahlung. Die Projekte sind den Investoren aber angeblich im Vorfeld nicht bekannt. Du selbst setzt die Dauer deiner Kampagne an: Meist 1-3 Monate. 2 sind empfehlenswert. Von der Einreichung deines Businessplans bis zur Bewilligung des Kredits kann es wenige Tage bis mehrere Wochen dauern. Grund für lange Bearbeitungszeiten sind häufig unvollständige Unterlagen.
Gibt es Feedback zum Projekt? Ja, kurz. Direkt nach dem Ersteindruck. Die Löwen prophezeien, ob das Projekt in dieser Form funktioniert oder nicht und geben unternehmerisches Feedback aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Allerdings sehr auf die kurze, harte Message mit medialer Wirkung getrimmt. Ja, viel. Die Usability einer Website oder einer App wird kommentiert und Vermisstes wird angesprochen. Die Crowd stellt möglicherwiese Fragen, die sich die Gründer selbst noch nie gestellt haben. Hier kommentiert auch der Otto-Normalverbraucher. Ja, stark. Gute Bankberater und Gründer stehen während des gesamten Prozesses im Austausch und besprechen Mängel und Nachbesserungsbedarf.
Kann ich auf Feedback reagieren und mein Konzept korrigieren? Eine Nachbesserung ist eher nicht möglich. Zumindest wäre es eine sehr große Ausnahme, dass dadurch aus einem „Nein“ ein „Ja“ würde. Nachbessern ist immer möglich, beispielsweise durch die Anpassung deiner Präsentation. Nachbessern ist nicht nur möglich, sondern meistens sogar erwünscht. Selten wird ein Businessplan direkt durchgewunken.
Anteil der Investoren am Unternehmen Eher hoch. Teilweise wird darum hart gefeilscht. Die Gründer bieten meist 5 bis 20% an. Von den Löwen werden aber schnell 25,1 oder 51% verlangt für ein Investment. Eher gering oder gar nicht je nach Art Art des Crowdfundings (s.u.). Keiner.
Leistung abseits der Finanzierung Großes Potenzial: Die Löwen bringen ihre Vertriebskanäle ein, ihre Erfahrung, ihre Verbindungen etc. Hier profitieren die Gründer von der geballten Power der Crowd: als Stakeholder, als Multiplikator, als Inputgeber und als Berater. Eine finanzielle, strategische und persönliche Beratung in allen Phasen der Gründung ist möglich, aber eher selten. Der Gründer profitiert hier vor allen Dingen von der regionalen Vernetzung seiner Bank bzw. seines Beraters.
Return on Investments Je nach Vereinbarung fließt Geld in Form von Darlehen, Geschäftsanteilen oder Umsatzbeteiligungen zum Investor zurück. Oberstes Ziel der Investoren ist es, am Exit mit zu verdienen. Im Rückblick sollten dann 10 oder 20 oder noch mehr Prozent Return pro Jahr erwirtschaftet worden sein. Diese Maxime führt auch dazu, dass meist nur skalierbare oder stark wachsende Geschäftsideen interessant sind – und dass der Investor bei schwachem Wachstum hohen Druck ausübt. Abhängig von der Art des Crowdfundings. Beim equity based und lending based Crowdfunding fließt Geld zurück, beim reward based Crowdfunding gibt es Produkte oder Leistungen als Gegenleistung, und beim donation based Crowdfunding erhalten die Unterstützer keinen nennenswerten Rückfluss, sie spenden. Der geliehene Geldbetrag wird in festgelegten Raten mit Zinsen zurück bezahlt. Kreditverträge unterscheiden sich nur in der Dauer der tilgungsfreien Zeit und dem Fälligkeitszeitpunkt.
Geeignet für Einzelunternehmer oder nicht skalierbare Geschäftsmodelle Nein. Ja, zumindest für Kunst- und soziale Projekte. Ja, sehr.
Chance auf Marketing-Effekt Die Chance, die Bekanntheit zu steigern, ist hier sehr hoch. Das Projekt wird in jedem Fall gepusht. Bereits während der Sendung besuchen die Zuschauer die Websites (und die Server brechen regelmäßig zusammen). Eventuell schauen sogar weitere Finanzierungswillige zu. Durch das Medienecho und Soziale Netzwerke erhält das Projekt sehr schnell eine enorme Reichweite. Die Chance ist hoch. Dafür ist aber auch ein hohes Maß an Eigeninitiative nötig: Wenn es sich nicht gerade um die eierlegende Wollmilchsau handelt, muss das Projekt auf allen bedienbaren Kanälen ordentlich gepusht werden. Null.
Risiko des medialen Scheiterns Schattenseite dieser Finanzierungsform ist das große Risiko des medialen Scheiterns. Die Geschäftsidee kann vor einem Millionenpublikum und in allen Medien zerrissen werden. Negative Berichte sind dann ggf. für Jahre online. Ist durchaus vorhanden. Denn ein Scheitern kann Interessenten natürlich abschrecken. Und auch hier sind gescheiterte Projekte noch eine Zeit lang im Netz zu finden. Nein.
Welche Rolle spielt der Businessplan? Der Businessplan ist wesentliche Grundlage einer jeden Gründung und dient vor allem dem Gründerteam zur Überprüfung der Geschäftsidee und der gemeinsamen Ziele. Für die Bewerbung bei Die Höhle der Löwen reicht schon ein vorläufiger Plan. In der Sendung selbst zählt dann nur der Pitch. Hin und wieder fragen die Löwen aber auch mal eine Info aus dem Businessplan ab. Tipp: Besonderes Augenmerk legen die Juroren auf den Finanzteil des Businessplans und die Plausibilisierung des Umsatzes. Der Businessplan dient Kapitalgebern zur Überprüfung des Geschäftsmodells hinsichtlich Risiken und Erfolgschancen. Beim Crowdfunding dient der Businessplan zudem als Informationsquelle für die Crowd. Tipp: Der Fokus liegt hier eher auf dem Gründerteam und dem Geschäftskonzept. Der Businessplan für die Crowd muss nicht im Zahlenteil, dafür aber vom Design, und Inhalt überzeugen. Und vor allen Dingen einfach zu lesen sein. Wer Geld benötigt, braucht einen Businessplan. Das gilt vor allen Dingen für Sparkassen-Kredite. Denn nur mit Businessplan kann die Bank das Risiko bei der Kreditvergabe einschätzen. Tipp: Zahlen, Text und Gründerkompetenz sollten zusammen passen. Ghostwriting von Beratern oder stumpfes Abschreiben von Vorlagen birgt hohe Risiken.

Fazit

Hast Du eine noch nie dagewesene Idee mit einem gut skalierbaren Geschäftsmodell und ein selbstbewusstes, schlagfertiges Team – dann solltest du es durchaus mal bei der Casting-Show Die Höhle der Löwen – oder anderen Business Angels – probieren!

Kannst Du eine gute Idee, aber keine Sicherheiten vorweisen? Arbeitest du an einem Kunstprojekt, das keine Chance auf einen Bankkredit hat? Oder ist dein Finanzierungsbedarf schlicht zu klein für die Bank? Dann bist du beim Crowdfunding genau richtig! Crowdfunding eignet sich übrigens auch für kleine und mittlere, bereits am Markt bestehende Firmen, die neue Produkte und Ideen entwickeln wollen und dabei unabhängig von Banken bleiben möchten.

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Ohne Risiko. Kein Zahlungsmittel notwendig.

Vor der DHDL-Kamera zu präsentieren, ist nicht jedermanns Sache. Sich im Internet als Gründerpersönlichkeit vorzustellen auch nicht. Wenn du kein spektakuläres Startup planst, sondern eine ganz solide Geschäftsidee verwirklichen willst, bist du vermutlich bei einem Sparkassen-Kredit besser aufgehoben. Da geht es ruhiger zu – ohne Spotlight und ohne fordernde Investoren, die dir ins Geschäft rein reden.

Über den Autor
Dr. Jan Evers

Gründungsexperte Dr. Jan Evers ist Inhaber der Beratungsgesellschaft evers & jung in Hamburg. Für Ministerien, Banken und Wirtschaftsförderer entwickelt die evers & jung GmbH seit über 15 Jahren Konzepte und Lösungen, die Unternehmern das Gründen und die Selbstständigkeit erleichtern.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

bhp