Mehr als nur Fast Food: Franchisenehmer werden

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Täglich gehen wir an dutzenden Franchisefilialen vorbei. Einige erkennen wir sofort, bei anderen ist das schon schwieriger. Der Kaffee, den du dir heute Morgen to-go geholt hast, stammt höchstwahrscheinlich aus einer Franchise-Bäckerei. Aber auch viel Alltägliches wie Möbel, Kleidung und Drogerie-Artikel können aus einem Franchisegeschäft stammen. Diese sind meist nicht von ihren Konzerngegenstücken zu unterscheiden. Die meisten Menschen assoziieren mit dem Begriff Franchise Fast Food. Doch überall, wo Dienstleistungen oder Produkte verkauft werden, kann ein Franchisesystem dahinterstecken. Da es in dieser bunten Mischung Unternehmen für jeden Geschmack gibt, ist es nachvollziehbar, dass sich die Leute auch hier gern an der Selbstständigkeit versuchen. Die spezielle Struktur der Franchisesysteme macht den Gründungsprozess in der Regel sogar einfacher und übersichtlicher. Trotz alledem ist es immer noch eine Gründung – mit all ihren zahlreichen Herausforderungen. Um zu klären, ob Franchising etwas für dich ist und was von einem Franchisenehmer erwartet wird, haben wir die wichtigsten Informationen für dich zusammengefasst.

Warum Franchising?

Warum solltest du dir als Gründer vorschreiben lassen, wie du etwas zu tun hast und dann auch noch einen Teil des Umsatzes abgeben? Ganz einfach: Der Franchisegeber hat schon einen Teil der Arbeit für dich erledigt. So musst du dir zum Beispiel keine Geschäftsidee ausdenken, musst nicht mühsam eine Marke aufbauen und in der Regel ist das Produkt auch schon marktreif und erprobt. Die Gründung als Franchisenehmer ist eine Gründung mit Vorsprung. Der Tradeoff ist ganz klar, dass der Franchisegeber gewisse Richtlinien vorgibt, um seine Marke und sein Franchise möglichst erfolgreich zu machen. So legt er normalerweise die Marketingstrategie fest und entscheidet, welche Produkte im Sortiment stehen.

Bei einer normalen Gründung gehören diese Aspekte zu den großen Herausforderungen. Um auf das Level zu kommen, dass dir der Franchisegeber zur Verfügung stellt, müssen klassische Gründer durch eine Phase des Ausprobierens gehen. In dieser Phase versuchen sie sich häufig an verschiedensten Methoden, die mal funktionieren und mal nicht. Viele Startups kommen über diese Phase nicht einmal hinaus und geben schon vorher auf. Diese Risiken und Anstrengungen hat der Franchisegeber schon auf sich genommen. Jetzt musst du für dich abwägen, ob du dem Franchisegeber Geld zahlst und die Risiken vermeidest oder ob du bereit bist – mit einem gänzlich eigenen Projekt – die Erfahrungen selbst zu machen. Das birgt natürlich das Risiko des Scheiterns in der Anlaufphase.

Franchising eignet sich vor allem für Leute, die sich nicht als Allrounder sehen. Gründet man ein Startup, sollte man in allen Bereichen des Unternehmens zumindest ein gewisses Basis-Wissenslevel erreichen. Beim Franchise fallen einige Anforderungen an den Gründer weg. Das erlaubt eine viel bessere Fokussierung auf Kernaufgaben, wie zum Beispiel die Führung der Mitarbeiter. Freigeister und Alleskönner laufen im Franchise eher Gefahr frustriert zu werden, wenn sie an allen Ecken mit Regeln konfrontiert werden.

Natürlich haben nicht alle Franchisesysteme das gleiche Level an Regeln. Du solltest dich immer genau darüber informieren, welche Pflichten und Privilegien man als Franchisenehmer beim entsprechenden Franchise hat.

Franchisenehmer und Franchisegeber

Du bist der Franchisenehmer – oder willst es zumindest werden. Du verpflichtest dich, ein florierendes Geschäft unter der Flagge des Franchisegebers aufzubauen und es zum Erfolg zu führen. Im Gegenzug verpflichtet sich der Franchisegeber dazu, Unterstützung in diversen Unternehmensbereichen wie Marketing, Produktentwicklung und strategisches Management zu leisten. Euer Verhältnis sollte immer professionell und auf Augenhöhe sein. Du bist nicht der Angestellte des Franchisegebers. Vielmehr seid ihr Partner. Das bedeutet Symbiose und nicht Hierarchie. Denn sowohl du als auch der Franchisegeber habt durch die Kooperation Vorteile.

Von der rein wirtschaftlichen Seite erkaufst du dir über die Umsatzbeteiligung die Marke und das Know-how des Franchisegebers. Das endet natürlich nicht mit der Unterzeichnung des Franchisevertrages. Während des Aufbaus und des fortlaufenden Betriebes sollte der Franchisegeber stets hilfsbereit und verfügbar sein.  Ist er gut, nimmt er die Rolle eines Mentors ein. Du als Franchisenehmer solltest immer die Möglichkeit haben, auf die Erfahrung des Franchisegebers zurückzugreifen. Auch diese Interaktion sollte auf Augenhöhe geschehen. Franchisegeber, die versuchen, ihren Franchisenehmern jenseits des Vertrages Regeln vorzuschreiben, tun sich selbst keinen Gefallen. Denn diese Dinge führen zu Frust bei den Franchisenehmern, die ja für die Führung und Hilfe einen Teil ihres Umsatzes abgeben.

Das richtige Franchise finden

Es gibt hunderte Franchisesysteme in Deutschland. Da alles von Hundefutter bis zum Verkauf von Einfamilienhäusern dabei ist, ist das Finden des richtigen Franchisesystems durchaus eine Herausforderung. Stecke erstmal ein paar grobe Parameter ab: In welchem Bereich möchtest du tätig werden? Wieviel Eigenkapital steht dir zu Verfügung? Willst du ein hochkompetitives Franchisesystem oder lieber eher etwas Beschauliches? Jetzt kannst du dich selber auf die Suche im Internet machen. Der Deutsche Franchisebund hat ein Suchtool  gebastelt, das über eine recht große Datenbank verfügt. Du kannst dort deine Suche nach Branche und diversen anderen Faktoren verfeinern. So groß die Datenbank auch ist, sie enthält bei weitem nicht jeden Franchisegeber in Deutschland. Ein bisschen manuelle Sucharbeit kann also auch nicht schaden. Je mehr Zeit du dir für die gründliche Auswahl nimmst, desto geringer ist die Chance, dass du deine Entscheidung später bereust. Nimm dich auch vor unseriösen Franchisegebern in Acht. Wie du diese erkennst, kannst du hier nachlesen.

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Der Businessplan

Du hast das Franchise deiner Träume gefunden. Als nächsten Schritt solltest du dich im Internet oder telefonisch über den Bewerbungsprozess informieren. Die meisten Franchisegeber erwarten von ihren potentiellen Franchisenehmern, dass diese ihre Eignung zum Unternehmer beweisen. Das geschieht in der Regel in der Form eines Businessplans. Entweder der Franchisegeber gibt ein bestimmtes Format vor oder die übliche Struktur ist erwünscht. Ein Businessplan für ein Franchiseunternehmen unterscheidet sich nicht grundlegend von einem regulären Businessplan. Es kann lediglich sein, dass einige Kapitel mit weniger Inhaltauskommen, weil der Franchisegeber sich beispielsweise schon um Marketing und Produktentwicklung gekümmert hat. Zeige in deinem Businessplan einfach, wie du das Franchise in der von dir gewählten Region erfolgreich machen wirst.

Den Businessplan schreibst du allerdings nicht nur für den Franchisegeber, sondern vor allem auch für dich. Er zwingt dich zur detaillierten Auseinandersetzung mit allen wichtigen Bereichen deines zukünftigen Geschäftes. An dieser Stelle wirst du auch merken in welchen Bereich du fest im Sattel sitzt und wo du eventuell Unterstützung vom Franchisegeber brauchen wirst.

Finanzierung

Wie schon angemerkt fordern die meiste Franchise, dass du eine gewisse Menge an eigenen Mitteln investierst. Dadurch wird sichergestellt, dass du voll hinter der Sache stehst, da es ja um dein persönliches Geld geht. Da du so ein Projekt wahrscheinlich nicht mit 100% Eigenkapital stemmen können wirst, brauchst du Fremdkapital. Die gängigste Methode ist hier der Bankkredit. Da du deinen Businessplan schon für deinen Franchisegeber geschrieben hast bist du bestens vorbereitet. Bevor du allerdings bei der Bank mit deinem Businessplan vorsprichst, solltest du sicherstellen, dass der Finanzteil vollständig und korrekt ist. Denn an diesem messen die Banken die wirtschaftliche Machbarkeit von Geschäftsideen. Sehen sie, dass deine Liquidität die Rückzahlung des geliehenen Geldes plus Zinsen sicherstellt, sieht es gut für deinen Kredit aus.

Denk bei deiner Finanzplanung auch daran, dass beim Franchising einzigartige Kosten entstehen. Zum einen wird in der Regel eine Einstiegsgebühr verlangt, welche einmalig zur Gründung des Franchiseunternehmens anfällt. Zusätzlich wirst du an den Franchisegeber noch monatlich einen Teil deines Umsatzes abtreten müssen. Dafür leistet er dann die oben erwähnte Unterstützungsarbeit. Welchen Umfang diese Gebühren haben, ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Schau dir sowohl die Marktführer als auch die Neueinsteiger deiner Branche an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Einstiegsgebühren bzw. Umsatzbeteiligungen üblich sind.

Der Franchisevertrag

Franchisenehmer: Check. Franchisegeber: Check. Finanzierung: Check. Jetzt seid ihr bereit den finalen Schritt zu gehen und den Franchisevertrag zu unterschreiben. Doch Achtung. Der Franchisevertrag wird einen großen Einfluss darüber haben, wie eure jahrelange Zusammenarbeit verlaufen wird. Da es sich hier um ein sehr komplexes Schriftstück handelt, dass eine große Menge an Themen abdeckt (z.B. Gebietsschutz, Wettbewerbsverbot, Kündigungsvereinbarungen) sollte er besonders gründlich analysiert werden. Falls du ein Anwalt für Franchiserecht bist, kannst du das gerne selbst machen. Allen anderen sollten unbedingt einen Experten hinzuziehen. Ist der Franchisevertrag unterschrieben kann es endlich mit dem losgehen worum es eigentlich geht: deinen eigenen Unternehmen.

Fazit

Franchising ist eine valide alternative zum klassischen Startup. Wenn sie zu dir passt. Nicht jeder Mensch ist zum Startupgründer geboren. Genauso wenig wird sich jeder als Franchisenehmer wohlfühlen. Wenn du dich den einzigartigen Herausforderungen des Franchiselebens gewachsen siehst, leg los. Wo Startups meist einen Kampf David gegen Goliath bestreiten müssen, kann der Franchisenehmer auch mal im Team Goliath mitspielen.

 

Über den Autor
Julius Pankoke

Julius Pankoke ist bei uns für internationales Marketing zuständig. Er schreibt in unserem Gründerblog über Business Development, Existenzgründung und Marketing.

Ich bin bereit, ein neues Projekt mit SmartBusinessPlan zu starten.

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bhp