Polaroid zum Thema Bootstrapping, Frau arbeitet am Schreibtisch einer Kanzlei

Ohne externe Finanzierung mit eigenem Geld gründen

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Businessplan Bootstrapping
Interview mit Tatjana Schmelzer, Fachanwältin für Medizinrecht und Inhaberin einer Kanzlei für Ärzte in Saarbrücken

Art des Unternehmens

Fachanwältin für Ärzte

Besonderheit

Bootstrapping: Gründung ohne Fremdkapital

Logo vom mit Bootstrapping finanzierten Unternehmen Tatjana Schmelzer
Foto von Anwältin Tatjana Schmelzer

Für Tatjana Schmelzer war klar: Wenn sie sich selbständig machen würde, dann nur mit ihrem eigenen Geld. In der Gründerszene wird dieser Ansatz Bootstrapping genannt. Er bietet Start-ups viele Vorteile: Man bleibt unabhängig, das Risiko ist überschaubar – und einen Businessplan braucht man eigentlich auch nicht… oder doch?

SmartBusinessPlan: Hallo Tatjana Schmelzer. Du hast im Sommer 2016 deine eigene Kanzlei gegründet. Wie kam es zu diesem Schritt?

Tatjana Schmelzer: Nach meinem Jurastudium habe ich in einer Kanzlei gearbeitet, die auf die rechtlichen Belange niedergelassener Ärzte spezialisiert war. Ich habe mich in diese Thematik eingearbeitet und mich zur Fachanwältin für Medizinrecht weitergebildet. Als die Kanzlei dann umstrukturiert wurde, wollte ich mich zunächst in anderen Kanzleien bewerben. An eine Selbständigkeit habe ich gar nicht gedacht. Aber bald stellte ich fest, dass ich dort meine eigenen Vorstellungen nicht hätte umsetzen können. Also beschloss ich, mich selbständig zu machen – und ein knappes halbes Jahr später habe ich mein Vorhaben schon in die Tat umgesetzt.

SmartBusinessPlan: Du hast deine Existenzgründung ganz ohne Fremdkapital gewuppt – ein Ansatz, der von Experten Bootstrappen genannt wird und derzeit einen regelrechten Hype erfährt. Warum war dir das so wichtig?

Tatjana Schmelzer: Ich wollte es unbedingt aus eigener Kraft schaffen. Meine Eltern haben immer gesagt: Wer sich Geld leiht, der bekommt fremdes Geld, aber er muss später sein eigenes Geld zurückzahlen. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, mich zu verschulden. Meine Kanzlei sollte sich von Anfang an selbst tragen.

SmartBusinessPlan: Man könnte meinen, wer kein Geld von Banken oder Investoren braucht, der braucht auch keinen Businessplan. Du hast trotzdem einen geschrieben. Warum?

Tatjana Schmelzer: Gerade wenn sich für die Selbstfinanzierung entscheidet, braucht man ein durchdachtes Konzept. Man hat ja nicht viel Zeit, das eigene Geld ist schnell aufgebraucht. Ohne einen klugen Business- und Finanzplan wäre man aufgeschmissen!

Vor der Gründung habe ich mir viele Gedanken gemacht und eine Menge Informationen für meine Geschäftsidee gesammelt. Aber ich fand keine richtige Struktur. Erst durch das Schreiben meines Businessplans habe ich ein klares Bild davon bekommen, was ich machen will und wie ich meine Ziele erreichen kann.

SmartBusinessPlan: Du hast dich damals für SmartBusinessplan entschieden. Was hat es dir gebracht?

Tatjana Schmelzer: Das Programm hat mich dabei unterstützt, meine Gedanken in eine Form zu gießen. Da meine finanziellen Ressourcen begrenzt waren, musste ich früh kostendeckend arbeiten. Ich brauchte also einen genauen Überblick über meine Ausgaben und die erforderlichen Einnahmen. Das Finanzplanungstool hat mir sehr geholfen, meine laufenden Kosten zu ermitteln, die ja nicht nur die Kosten des Betriebs umfassen, sondern auch meine privaten monatlichen Ausgaben. Außerdem wäre ich von allein nicht auf die Idee gekommen, die erforderlichen Einnahmen auf Wochen oder sogar Tage runterzubrechen. Ich hätte mir wohl eine vage Zahl an monatlichen Einnahmen ausgedacht. Dank SmartBusinessPlan habe ich genau kalkuliert: Wie viel Zeit muss ich für Verwaltung, Akquise und dergleichen einplanen? Wie viel Zeit bleibt für meine Mandanten? Anders gefragt: Wie viele Stunden muss ich pro Woche oder Tag abrechnen können, um meine Kosten zu decken? Die Tabellen waren dabei äußerst hilfreich für mich.

SmartBusinessPlan: Hast du Anregungen oder Ideen, wie man SmartBusinessplan noch besser machen könnte?

Tatjana Schmelzer: SmartBusinessPlan deckt viele Aspekte ab, die für eine Gründung wichtig sind. So sind zum Beispiel die Businessplan-Beispiele beim Schreiben ein echter Gewinn. Aber jede Gründung ist einzigartig. Deshalb wäre es toll, noch mehr Beispiele zu haben, von denen man lernen kann. Aus diesem Grund habe ich mich auch entschieden, meinen eigenen Businessplan anderen Gründern zur Verfügung zu stellen.

SmartBusinessPlan: Darüber freuen wir uns sehr, vielen Dank!

In deinem Businessplan steht, dass deine Kanzlei auf Medizinrecht spezialisiert ist. Wie hoch ist der Anteil an Einnahmen, die du in diesem Bereich erwirtschaftest?

Tatjana Schmelzer: Der liegt bei ca. 95 %. Ich habe also meinen Plan tatsächlich umgesetzt und meine Nische gefunden. Dafür musste ich allerdings ganz konsequent alle Anfragen ablehnen, die außerhalb meines Fachgebiets lagen. Das war nicht einfach, weil ich ja von Anfang an auf Einnahmen angewiesen war. Meine Kollegen haben mich für verrückt erklärt! Aber ich wusste: Wenn ich Mandate übernehme, in die ich mich erst einarbeiten muss, bedeutet das für mich sehr viel Aufwand bei sehr wenig Ertrag.

SmartBusinessPlan: Was macht dein Angebot so besonders?

Tatjana Schmelzer: Ich stehe vor allem Ärzten aus dem Saarland und aus Rheinland-Pfalz als Ansprechpartnerin bei allen rechtlichen Belangen des Praxisalltags zur Seite. Mein besonderer Schwerpunkt ist das Honorarrecht für Ärzte. Hier gibt es ständig Neuerungen und regional sehr große Unterschiede. Da kann kaum ein niedergelassener Arzt den Überblick behalten. Ich unterstütze die Ärzte dabei, ihre Honorare anzupassen oder zu optimieren, stehe aber auch bei allen arbeits- und berufsrechtlichen Fragen zur Verfügung, wenn es z. B. um Kooperationen von mehreren Ärzten geht. Meine zweite Schiene ist die juristische Beratung von Klinikärzten. Mein Ziel ist es, sie im Hinblick auf eine mögliche Selbständigkeit zu beraten und sie auf ihrem Weg zur eigenen Praxis zu begleiten.

SmartBusinessPlan: Du sagst, dass für dich eine Selbständigkeit zuerst gar nicht in Frage kam. Warum hast du gezögert?

Tatjana Schmelzer: Ich war nicht sicher, ob sich die Selbständigkeit mit meinem Privatleben vereinbaren lassen würde. Ich wollte auf keinen Fall nur noch für meine Kanzlei leben und meine Familie, meine Freunde, mein ganzes Privatleben dem Beruf unterordnen. Inzwischen habe ich erkannt, dass das gar nicht nötig ist. Die Selbständigkeit erfordert zwar ein hohes Engagement, sie bietet aber auch sehr viel Flexibilität. Ich kann z. B. abends noch von Zuhause aus arbeiten und ich habe kürzere Fahrzeiten. Unterm Strich ist jetzt nicht nur mein Berufsleben erfüllender, es profitiert auch mein Privatleben von meiner Selbständigkeit.

SmartBusinessPlan: So soll es sein. Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg beim Einsatz für deine Mandanten!

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