Eiscafé eröffnen: Zwischen Eiskelle und Laptop
Dr. Jan Evers | April 15, 2019

Lisa Staib hat sich ihren Traum erfüllt und mitten im quirligen Berlin ein eigenes Eiscafé eröffnet

Dass Lisa ihr Geld mit dem Verkauf von leckerem Eis verdienen würde, war lange nicht absehbar. Schließlich ist sie gelernte Wirtschaftswissenschaftlerin. Aber nach dem Studium war ihr schnell klar: Ein Nine-to-five-Job im Büro ist nichts für sie. Deshalb hat sie sich mit dem Konditor Felix zusammengetan und eine kleine, aber feine Eismanufaktur eröffnet: Das Süßfein in der Brunnenstraße 156 in Berlin.

Wir haben mit ihr über Kredite, Kapital und koscheres Eis gesprochen und sie nach ihren Tipps für die Gründung einer Eisdiele gefragt.

Viele Menschen träumen ja davon, ein Eiscafé zu eröffnen. Wie war das bei dir: Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Eigentlich hat Felix mich auf die Idee gebracht. Felix hat unsere Hochzeitstorte gemacht. Er erzählte uns, dass er schon lange davon träume, sich mit einem Eisladen selbstständig zu machen. „Eis“, erklärte er, „ist das perfekte Produkt: Im Vergleich zu Kuchen und Torten kannst du mit wenig Aufwand recht große Mengen herstellen und das Beste ist: Was du tagsüber nicht verkauft hast, muss abends nicht in die Tonne.“

Als ich einige Zeit später meinen Master in der Tasche hatte und vor der Frage stand, was ich beruflich tun sollte, erinnerte ich mich an Felix und seine Eis-Vision. Die Aussicht auf einen Bürojob reizte mich überhaupt nicht. Lieber wollte ich etwas Eigenes auf die Beine stellen. Und ich wusste, Felix und ich, wir würden uns ideal ergänzen: Er versteht sein Handwerk – die Herstellung von Süßspeisen – und ich meines: die Betriebswirtschaft.

Ich habe ihn einfach angerufen und er war sofort begeistert. Schon ein halbes Jahr später hatten wir den Mietvertrag für unser Eiscafé unterschrieben und konnten im Mai 2017 eröffnen, pünktlich zum Start in unsere erste Eissaison.

Lass uns mal über die Finanzierung für eure Existenzgründung reden – wie viel Eigenkapital habt ihr benötigt, um eure Eisdiele zu eröffnen?

Bei Gründungen in der Gastronomie wird ja, anders als in vielen anderen Branchen, ein Eigenkapitalanteil von mindestens 60 Prozent erwartet. Da wir nicht nur ein Café einrichten, sondern unser Eis selbst produzieren wollten, brauchten wir eine komplette Produktion, mit Maschinen und allem. Das ging ganz schön ins Geld.

Logo des Berlines Eiscafés Süßfein

Süßfein sorgt für leckeres Eis und Sonnenschein. :)

Von welchen Summen sprechen wir?

Wir haben ein fertig eingerichtetes Café übernommen und dafür einen mittleren fünfstelligen Betrag bezahlt. Das klingt viel, ist aber ein fairer Preis, weil wir eine sehr hochwertige Ausstattung dafür bekommen haben. Die gleiche Summe mussten wir dann noch mal in die Maschinen für die Eisproduktion stecken.

Zurzeit planen wir die Eröffnung eines zweiten Eiscafés, da werden wir mit deutlich weniger Geld auskommen. Wir setzen auf eine schlichte familiäre Einrichtung mit Holzbänken und einfachen Hockern. Und wir können uns die teure Produktion sparen.

Das heißt, wer das Eis nur verkaufen, aber nicht selbst herstellen will, kann schon mit rund 20.000 Euro seine Eiscafé-Eröffnung hinbekommen. Wer hausgemachtes Eis verkaufen möchte, braucht deutlich mehr Kapital.

Welche Erfahrungen habt ihr mit eurer Bank gemacht?

Ich hatte das Glück, von der Familie einen größeren Kredit zu bekommen, sodass wir die geforderten 60 Prozent zusammenbekommen haben. Den Rest hat unsere Bank finanziert, und zwar über den Startgeld-Gründerkredit der KfW, der mit sehr günstigen Konditionen verbunden ist. Wir müssen das Geld zum Beispiel erst nach zwei Jahren zurückzahlen, was uns sehr entgegenkommt. Ich möchte an dieser Stelle betonen: Die hohe Eigenkapitalforderung kam nicht von der KfW, sondern von unserer Hausbank. Das scheint unter Banken allgemein üblich zu sein, wenn es um Gründungen im Gastronomiebereich geht.

Nachdem eure Finanzierung stand, wie verlief dann euer Start in die Selbstständigkeit?

Leider war der Sommer 2017 besonders verregnet und unser Business ist nun mal extrem wetterabhängig. Die Temperaturen sind dabei gar nicht so entscheidend, sondern die Sonne. Kaum scheint sie, bilden sich bei uns lange Schlangen. Bleibt es hingegen trüb, verlangt kein Mensch nach Eis. Aber obwohl die Wetterbedingungen in unserem ersten Jahr nicht optimal waren, lief das Geschäft besser, als erwartet. Und 2018 kam ja dann der Bombensommer – es war so heiß, die Leute brauchten Eis.

Womit macht ihr den größten Umsatz?

Etwa 90 Prozent unseres Umsatzes und auch des Gewinns machen wir mit dem Verkauf von Eis.

Es stimmt einfach, was Felix schon früh erkannt hatte: Eis ist ein sehr dankbares Produkt. Der Verkauf von Kaffee und Kuchen ist mit sehr viel Handarbeit und hohen Personalkosten verbunden. Der Kuchen muss erst gebacken werden, dann muss ich ein Stück aus der Vitrine holen, es dem Gast servieren, den Teller abräumen, spülen und in den Schrank zurückstellen. In der gleichen Zeit hätte ich etliche Kugeln Eis verkaufen können.

Im Sommer lohnt sich der Verkauf von Kaffee und Kuchen kaum, auch wenn wir beides anbieten. Das ist eher ein Thema für die Wintermonate. Deshalb mein Tipp an alle Gründer, die ein Eiscafé eröffnen wollen: Konzentriert euch auf euer Kerngeschäft und sorgt dafür, dass die Kunden euch für euer Eis lieben.

Eisbecher auf Tisch mit Kaffeetasse

Ein Ort, an dem man sich bei Eisbecher und Kaffee wohlfühlt: dein zukünftiges Eiscafé?

Du hast es schon angesprochen: Eis geht nur bei Sonnenschein. Was macht ihr im Winter?

Wir verkaufen dann frischgebackene Baumstriezel, das ist ein spezielles Hefeteiggebäck, das man warm isst – am besten in Kombination mit unserem leckeren Eis. Dieses Angebot ist einzigartig in Berlin, dafür sind wir stadtbekannt. Was auch nicht unwichtig ist: Bei Google stehen wir damit ganz oben: Wer nach „Baumstriezel Berlin“ sucht, landet bei uns. Und viele Menschen, die diese Köstlichkeit aus dem Urlaub in Tschechien oder Ungarn kennen, kommen deswegen extra zu uns.

Damit sind wir beim Thema Geschäftsmodell. Die Idee, ein Eiscafé zu eröffnen, ist ja nicht gerade neu. Was macht eure Eisdiele so besonders?

Wir stellen unser Eis aus wenigen natürlichen Rohstoffen selbst her. Sahne, Milch, Butter, Früchte und Zucker – das sind